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NWZonline.de Region Ostfriesland

Wattführer Heiko Campen aus Norddeich: „Mehr Ostfriese geht nicht“

17.07.2021

Norddeich Was für Landratten wie grauer Schlick aussieht, ist für Heiko Campen eine lebendige Karte der Vergangenheit der Küste. Seit bereits 57 Jahren führt der gebürtige Norddeicher bereits Menschen durch das Wattenmeer, kennt alle Priele und Platen. Seiner Heimat fühlt sich Campen bis heute innig verbunden. „Ich bin und bleibe Ostfriese“, sagt er. Seinen Familienstammbaum mit Verbindungen zu bekannten Herrschergeschlechtern der Region kann er bis 1200 zurückführen. „Mehr Ostfriese geht nicht“, erklärt Campen mit einem Augenzwinkern.

Schon als Kind im Watt gespielt

Inoffiziell weist der 87-Jährige anderen aber schon seit über 60 Jahren den Weg ins Watt, verrät er – früher aber noch rein privat. Schon als Kind sprang er regelmäßig ins Meer, als der Küstenbereich in Norddeich noch ganz anders als heute aussah. „Da, wo heute die Drachenwiese ist, gab es früher ein offenes Becken, wo man schwimmen konnte“, erinnert er sich. Als Rettungsschwimmer und Gründungsmitglied der DLRG-Ortsgruppe war Campen viele Tage im Jahr am Meer. In den 50er-Jahren kam dann auch ein gesteigertes Interesse an Wattführungen auf. „Damals war hier ja noch viel weniger los, wir haben alle Gäste per Handschlag begrüßt“, blickt der Wattführer zurück.

Den Anfang des Angebots in Norddeich machte demnach jemand aus Norderney. „Der war nur so unzuverlässig, dass ich irgendwann gefragt wurde, ob ich das machen will“, so Campen. Anders als heute war damals noch keine Prüfung notwendig. „Da ist man zum Ortsvorsteher gegangen und hat sich das für 5 Mark bescheinigen lassen“, blickt er zurück auf eine Zeit, als Norden noch ein eigener Landreis war.

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Sport gehörte zu seinem Leben

Heute muss er sich, genau wie alle Wattführer, regelmäßig eine neue Genehmigung holen – bislang aber kein Problem für Heiko Campen. „Ich bin fit und munter, esse jeden Tag Wattwürmer“, scherzt er. Dass er noch so gut zu Fuß ist, verdankt er sicher auch seiner Liebe zum Sport: Neben der Tätigkeit als Rettungsschwimmer spielte Campen viele Jahre Fußball beim FC Norden, fährt bis heute täglich 20 oder mehr Kilometer mit dem Rad. „Sport war mein Leben“, so sein Resümee.

Auch im Wattenmeer hat er schon lange Strecken zurückgelegt, verrät der 87-Jährige. „Ich bin zu allen Inseln gewandert – bis auf Borkum. Das ist zeitlich einfach nicht zu schaffen.“ Stolz ist er bis heute auf seine Bestzeit von 2,5 Stunden vom Festland bis nach Juist – eine Strecke, die heute so gar nicht mehr erlaubt ist, denn das Wattenmeer hat sich zu sehr verändert.

Stürme verändern immer wieder Wege

„Das passiert vor allem im Winter, wenn es Stürme gibt“, weiß der Wattführer: Plötzlich verlaufen Priele anders, neue Muschelbänke tauchen auf oder Flächen verschlicken, die vorher gangbar waren. „Da muss man sich auch als Wattführer immer wieder neue Wege suchen“, so Campen.

Direkt vor der Norddeicher Küste weiß er aber genau, wo alte Dämme oder Fahrrinnen liegen – und natürlich, wo die Itzendorfer Plate beginnt. „Dort lag einst ein Dorf mit 300 Bewohnern“, erklärt er. Im 15. Jahrhundert gab es demnach große Verlandungen vor dem Deich, die sich die damaligen Einwohner zunutze gemacht haben. Die namensgebende Familie des Ortes, Idzinga, gehört auch zu den Vorfahren von Heiko Campen. Das Dorf wurde aber in der verheerenden Weihnachtsflut von 1717 nahezu vollständig zerstört. Heute erinnern im Watt nur noch leicht erhöhte Plate und gelegentliche Fundstücke im Schlick an die Siedlung.

In Sachen Geschichte kennt Campen sich aber auch mit der Flora und Fauna des Watts bestens aus. Nicht alle davon sind einheimisch: „Am Osthafen findet man jede Menge Austern. Die wurden in den 60er-Jahren in Holland gezüchtet und sind jetzt auch hier ansässig.“ Auch die deutlich flachere Sandklappmuschel ist kein Ur-Nordseebewohner, wie Campen weiß. „Die ist an der amerikanischen Küste heimisch und wurde vor rund 1000 Jahren von Wikingern hierher gebracht.“

Noch nie im Schlick ausgerutscht

Ob es ihm nach so vielen Jahren als Wattführer nicht langweilig wird? „Ich freue mich immer wieder, den Leuten das Meer zu erklären“, sagt Campen. „Wir haben hier in Ostfriesland die Vielfalt der Welt!“ Was er mittlerweile aber nicht mehr mache, seien Führungen zu den Inseln, verrät er. Es sei ihm jedoch trotz der zahlreichen Führungen, die er bis heute gemacht hat, noch nie passiert, dass er im Schlick ausgerutscht sei. „Ich will allerdings nicht wissen, wie viele Stiefel hier im Watt stecken“, sagt Campen mit einem Schmunzeln.

Arne Haschen Redakteur / Redaktion Norden
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