Norden - Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Eine Teilnahme am Biosphärenreservat „Wattenmeer“ der UNESCO steigert die touristische Attraktivität einer Gemeinde, ermöglicht Fördergelder, stößt nachhaltige Entwicklungen an – und das ohne besondere Verpflichtungen oder Auflagen und der Möglichkeit, jederzeit auszusteigen? So zumindest fasste es Referent Jürgen Rahmel von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer am Dienstag während eines Vortrags im Norder Stadtrat zusammen.
Gemeinde behält Hoheit
Die Modellregion sei kein Biosphärenreservat im Sinne des deutschen Naturschutzgesetzes, betonte er. Zudem gehe es auch um die Kulturlandschaft, in der typisch regionale Eigenheiten gefördert werden sollte. Gemeinden würden durch einen Beitritt keine Planungsrechte verlieren. Die Stadt Norden will eine endgültige Entscheidung zur Teilnahme in der Modellregion Anfang März fällen. Bis dahin soll es eine Reihe von Gesprächen geben, um offene Fragen oder auch Kritik zu besprechen.
Zu viele Maßnahmen
Solche äußerte im Anschluss an Vortrag etwa die Ratsherrin Heike Ippen (ZoB), die sich als Landwirtin persönlich betroffen sieht. „Es gibt viele Maßnahmen zum Naturschutz, die wir schon machen“, sagte sie. „Die muss man auch wirken lassen.“ Das Biosphärenreservat wirke auf sie konsequenzlos, sollte es wirklich ohne Fallstricke kommen. Ippen befürchtet allerdings, dass es letztlich doch Vorgaben geben wird, die zulasten der Norder Landwirte ausfallen werden. Weitere Maßnahmen – wie die Teilnahme am Biosphärenprojekt, seien angesichts laufender Projekte wie dem Niedersächsischen Weg unnötig: „Ich glaube, es reicht“, fasste sie unter dem Applaus anwesender Landwirte am Dienstag zusammen.
Nicht nur nehmen
Positiv gegenüber der Idee zeigte sich Helmut Fischer-Joost (Grüne). „Wir als Kommune können nicht immer nur nehmen, wir müssen auch mal Dinge eingehen, die für Landwirte nicht nur positiv sind“, resümierte er im Nachgang gegenüber dieser Zeitung. Auch wenn rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Norden, wie von Heike Ippen angeführt, landwirtschaftlich genutzt würden, machten Landwirte keine zehn Prozent der Bevölkerung aus. Fischer-Joost: „Und die anderen Teile der Bevölkerung sind der der Biosphäre gegenüber sicher positiv gestimmt.“
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Nur mit den Landwirten
Einen Kompromiss schlug dagegen Rainer Feldmann (vor der Brüggen/Feldmann) vor. Eine Teilnahme Nordens an der Biosphärenregion sei prinzipiell zu begrüßen, die Bedenken der Landwirte müssten aber ernst genommen werden. „Unsere hiesigen Landwirte betreiben Umwelt- und Klimaschutz“, so Feldmann. „Sie sind erheblich mehr betroffen als andere Bevölkerungsgruppen, denn der Landwirt muss von seiner Fläche leben.“
Seinem Antrag, bis März „zielgerichtete“ Gespräche mit Landwirten und der Nationalparkverwaltung zu führen und Landwirte dazu in Fachausschüsse einzuladen, schloss sich der Stadtrat mit zwei Enthaltungen einstimmig an. Bürgermeister Heiko Schmelzle schlug Videokonferenzen für eine kurzfristige Umsetzung von Gesprächen vor.
