Norden - Die Geschichte der Stadt Norden spiegelt sich nicht nur in alten Geschichten wider, sondern auch und vor allem in den Häusern der Stadt. Diese sind ortsbildprägend und charakteristisch für den Küstenort – und deshalb für die Politik besonders schützenswert. Die Sozialdemokraten hatten deshalb Ende August einen Antrag eingereicht, um eine Erhaltungssatzung aufzustellen, um die alte Siedlungsstruktur zu erhalten, bei gleichzeitiger maßvoller Nachverdichtung. Sie will damit verhindern, dass alte Häuser abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden. „Die Geschichte einer Stadt sollte auch baulich festgehalten werden“, forderte Antragstellerin Dorothea van Gerpen (SPD). Wie sich jüngst im Bauausschuss zeigte, stehen auch die anderen Parteien hinter der Idee: Dieser sprach sich einstimmig für den Antrag aus.
„Das ist ein Eingriff in die Rechte Dritter“
Dabei hatte Bauamtschef Mirko Wento im Vorfeld noch einmal deutlich gemacht, dass es bei einer solchen Satzung um baugeschichtliche Bereiche geht, die es zuerst zu untersuchen gilt. „Das Verfahren ist wie bei der Aufstellung eines Bebauungsplans“, sagte er und wies darauf hin, dass eine solche Satzung mit erheblichen – vor allem auch personellem – Aufwand verbunden sei. Und mehr noch: „Das ist ein Eingriff in die Rechte Dritter“, so Wento, der dabei anmerkte, dass eine entsprechende Satzung Einfluss auf den Grundstückswert haben könnte.
Für Helmut Fischer-Joost von den Grünen liegen die Vorteile indes klar auf der Hand. So nannte er etwa die Molkereistraße oder die Straße Glückauf, in denen die alten Arbeiterhäuser eine Geschichte erzählten. Sich mit Personal- und Zeitmangel des Bauamtes abspeisen lassen, das wollte sich die Politik in dieser Sache nicht erneut. „Das war eines der wichtigsten Themen im Wahlkampf“, sagte Unionspolitiker Alwin Mellies. „Es fehlt immer Zeit, Geld oder Personal“, kritisierte er die Verwaltung, die sich seiner Ansicht nach immer wieder um das Thema zu drücken scheint. Bekanntlich hatte schon Rainer Feldmann von der Gruppe Feldmann/Vor der Brüggen seit 2017 mehrfach eine Veränderungssperre gefordert. Diese ist zeitlich begrenzt und bezieht sich auf konkrete Maßnahmen, hat aber das gleiche Ziel wie die nun geforderte Satzung. Anders als Letztere fand sich jedoch nie eine Mehrheit.
Priorisierung im Bauamt gefordert
Die Diskussion um die Erhaltungssatzung führte schließlich auch zu einer Debatte darum, welche Themen im Bauamt Priorität bekommen sollen. Denn: „Da muss ich mich schützend vor meine Leute stellen: Die brechen zusammen, die saufen ab“, fand Bürgermeister Heiko Schmelzle (CDU) deutliche Worte und forderte die Politik auf, nicht immer noch mehr vom Fachdienst zu verlangen. Wento zählte daraufhin einige der Großprojekte auf, in die er und sein Team aktuell eingebunden sind, wie die Entwicklung des Doornkaatgeländes, die Dorfentwicklung Küstenregion, den Bebauungsplan Paddel- und Pedalstation, den Reithallen- und Freibadneubau. „Alles kann man nicht haben“, forderte er eine klare Priorisierung seitens der Politik ein. Im nächsten Bauausschuss soll deshalb eine Liste mit Projekten präsentiert werden, um eine Gewichtung vornehmen zu können.
