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NWZonline.de Region Ostfriesland

Wohnungslosenhilfe in Norden: Immer mehr Menschen nutzen den Tagesaufenthalt

09.09.2021

Norden Einst lebte Franz im Luxus. Der heute 61-Jährige besaß mehrere Oldtimer, einen Flugschein nur zum Spaß und genoss es, das viele Geld, das er verdiente, auszugeben. Dann allerdings kam die Finanzkrise 2009. „Da hat mein Partner mich beschissen“, schildert er die damaligen Ereignisse. „Danach habe ich mir erst einmal eine Midlifecrisis gegönnt.“ Franz kam zunächst wieder auf die Beine, war im EDV-Bereich einer soliden Firma beschäftigt. Aber: „Die haben mich durch den Wolf gedreht“, sagt er. Seine Aufgaben wuchsen immer mehr an, Entlastung gab es keine. Burnout und Alkohol waren die Folge.

„Die Zahl der Besucher nimmt stetig zu“

Franz ist einer von rund 600 Besuchern, die im vergangenen Jahr den Tagesaufenthalt in Norden aufsuchten. Wie hoch die Zahl wohnungs- und obdachlosen Menschen in der Stadt tatsächlich ist, lässt sich allerdings nur schwer feststellen. Klar ist allerdings, dass ein Großteil „in prekären Wohnsituationen“ lebt, erklärt Leiterin Helga Pieper anlässlich des Tags der offenen Tür zum 25-jährigen Jubiläum. „Die Zahl der Besucher nimmt stetig zu.“

Geschichten wie die von Franz kennt Pieper aus ihrer langjährigen Arbeit im Tagesaufenthalt viele. Für zahlreiche Menschen in Norden sind das Frühstück und ein warmes Mittagessen, die wochentags an der Norddeicher Straße 146 angeboten werden, Teil ihrer täglichen Routine geworden. Schwierig war es deshalb auch, als der Tagesaufenthalt im vergangenen Jahr coronabedingt eineinhalb Monate geschlossen blieb. Seit Juni 2020 ist die Anlaufstelle allerdings wieder regelmäßig geöffnet. „Einige, die sonst kamen, sind danach nicht wiedergekommen“, sagt Pieper und weiß nicht, was aus einigen ehemaligen Stammbesuchern geworden ist. Die meisten hätten sich jedoch einfach gefreut, als das Angebot endlich wieder aufgenommen wurde.

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Der Lockdown ließ Franz zusammenklappen

Franz nutzt dieses erst wieder seit eineinhalb Wochen. Zuvor hatte ihn der erneute Lockdown im Dezember so schwer getroffen, dass „ich zusammengeklappt bin“. Erst drei Tage vor dem Lockdown hatte der Nordrhein-Westfale eine 26-Quadratmeter-Wohnung in Norden bezogen. Im Herbst war er mit dem Rad in die Stadt gekommen, nachdem er im Januar in Neuss aus seinem bisherigen Zuhause rausgeworfen worden war. Außerdem hatte sich seine Frau nach acht Jahren Ehe von ihm getrennt – sie kam nicht mit seiner Krankheit klar. Franz schnappt sich deshalb sein Fahrrad und radelte nach Bremen, wo er in der Bahnhofsmission und später in einem Wohnhaus unterkam, in dem er sich jedoch aufgrund von Kriminalität und Lärm überhaupt nicht wohlfühlte. Bremen hatte er sich deshalb ausgesucht, weil er so gern einmal die Nordsee sehen wollte. Er radelte weiter bis nach Norddeich, guckte sich in Ruhe das Wattenmeer an und wies sich anschließend „selbst ins Klinikum ein, weil ich Selbstmord begehen wollte“, schildert er. Als er drei Tage später entlassen wurde, kam er beim Gang durch Norden an der Diakonie vorbei und fand eine Anlaufstelle.

„Das ist eine segensreiche Einrichtung“

„Der Tagesaufenthalt übernimmt eine koordinierende Funktion“, zeigt sich Landrat Olaf Meinen bei seinem ersten Besuch von der Einrichtung begeistert. „Das ist eine segensreiche Einrichtung.“ Trotzdem sei es schockierend, dass die Zahlen derjenigen, die die Angebote von Tagesaufenthalt und angegliederter Tafel in Anspruch nehmen müssen, weiter steigen.

In Norden gefallen Franz zwar die Menschen und auch das Wohnumfeld sei gut, glücklich sei er aber dennoch nicht. Trotzdem scheint der 61–jährige durch den Tagesaufenthalt eine Struktur für seinen Tag gefunden zu haben. Nach dem Aufstehen um 6 Uhr morgens und einem Kaffee sucht er diesen inzwischen wieder täglich auf. Dabei würde Franz eigentlich gern mit seinem Rad weiterfahren. Ein kaputtes Knie und sein Kreislauf verhindern dies allerdings.

Elisabeth Ahrends Redakteurin / Redaktion Norden
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