Osteel - Auf ihn ist Verlass. So wie die Tagesschau jeden Abend um 20 Uhr beginnt, liefert er um 20.30 Uhr die Wetterprognose für die Region. Von Montag bis Sonntag, 365 Tage im Jahr, seit sechseinhalb Jahren. „Darauf kann man sich verlassen“, versichert Steffen Lüpkes. Der Hobby-Meteorologe sagt, wie das Wetter zwischen Emden und Friedeburg, zwischen Leer und Langeoog wird. Auf seiner Facebook-Seite „Ostfriesland Wetter“ kündigt er Sonne und Stürme an. Mehr als 22.600 Menschen verfolgen seine Vorhersagen.
Steffen Lüpkes begeistert sich seit seiner Kindheit für das Wetter. „Ich bin schon mit fünf Jahren mit dem Thermometer durch die Gegend gelaufen“, erzählt er. Mit zwölf Jahren bekommt er seine erste Wetterstation. Lüpkes misst so unter anderem Luftfeuchtigkeit und Luftdruck – und macht sich einen Namen als Wetterexperte. „Ich wurde schon in der Schule immer nach dem Wetter gefragt.“
Drei-Tages-Vorschau passt zu gut 80 Prozent
Irgendwann sei die Idee für eine eigene Facebook-Seite entstanden. Seit vier Jahren betreibt der Student der Informatik eine professionelle Wetterstation – für noch genauere Ergebnisse. Temperatur, Luftdruck, Regenmenge und mehr: Die Station liefert Unmengen an Daten. Die Informationen werden über einen Computer gesichert und alle fünf Minuten in Wetterforen im Internet eingespeist. Die Daten aus dem heimischen Garten sind aber nur für die Statistik. Die Vorhersagen erstellt Steffen Lüpkes anhand von Wettermodellen. Die zieht er sich für Europa, Amerika und für Deutschland vom Deutschen Wetterdienst aus dem Internet und wertet sie aus. Das klappt meistens gut. Dann liegt Steffen Lüpkes mit seiner Vorhersage richtig. Insgesamt seien die Prognosen in den vergangenen Jahren genauer geworden. Eine Drei-Tages-Vorschau passe zu gut 80 Prozent, sagt Lüpkes. „Von 30 Tagen liege ich vielleicht sechs daneben.“
Der 22-Jährige versucht sich bei den Vorhersagen möglich diplomatisch auszudrücken. Wenn er einen Sonne-Wolken-Mix-ankündigt und es doch regnet, könnte sich der ein oder andere beschweren. So spricht er lieber direkt von einzelnen Schauern. Bei aller Technik: „Wetter ist eben etwas sehr komplexes“, betont Steffen Lüpkes.
Um dieses schwierige Thema noch besser rüberzubringen, verzieht sich der junge Mann seit Anfang Januar gerne in seine Garage. Dort hat er sich ein kleines TV-Studio eingerichtet. „Wie im Fernsehen, aber längst nicht so professionell“, schränkt er ein.
Er setzt auf Sachlichkeit
Steffen Lüpkes spricht vor einer grünen Wand seinen Wetterbericht ein. Am PC legt er seine Wetterkarte mit Ortsnamen, Temperaturen und Symbolen drüber. Ganz so wie die Meteorologen im Fernsehen. Das bedeutet viel Fleißarbeit. Für ein Video braucht er zweieinhalb Stunden. Eine halbe Stunde steht er im Studio, die andere Zeit geht für die Nachbearbeitung drauf. Und so spricht er über Niederschläge, Sonne und Sturm – und will dabei möglichst seriös sein. „Ich versuche es sachlich zu halten“, erklärt er. Warnungen vor Horror-Orkanen und Todes-Böen hört man bei ihm nicht. „Ich möchte nichts schönreden, aber auch keine Panik machen.“
Bleibt also nur noch eine Frage zu klären: Gibt es in diesem Winter in Ostfriesland Schnee? „Winterwetter mit Dauerfrost ist nicht in Sicht“, macht Steffen Lüpkes die Hoffnungen gleich zunichte. Wobei: Im März könnte es noch was geben. „Aber das“, so die Einschränkung des 22-Jährigen, „wird immer unwahrscheinlicher.“
