Osterhusen - Die Anwohner bei der neuen ABC-Halle für den Landkreis Aurich kämpfen weiter gegen das ihrer Meinung nach überdimensionierte Gebäude im Ortskern. Der Bau ist in den vergangenen Monaten gewachsen. Viele Dorfbewohner fühlen sich durch die Größe des Gebäudes, dass dort im alten Ortskern direkt vor ihrer Haustür entsteht, in ihren Befürchtungen bestätigt. Das machte Else Benjamins (64) deutlich. Sie ist mit Susanne Köster (53) eine der Initiatoren der Bürgerinitiative, die sich seit zwei Jahren gegen den Bau wehrt.
„Die Anwohner sind verzweifelt“
Viele hatten sich mit ihrer Unterschrift gegen den Plan gewehrt, die ABC-Halle im Ortskern zu bauen, die ihrer Meinung nach im knapp 500 Meter entfernten Gewerbegebiet hätte stehen müssen. „Die Anwohner sind verzweifelt“, stellte Benjamins fest.
Remmer Redenius (83) ist einer der Anwohner, der den Baufortschritt jeden Tag aus seinem Küchenfenster beobachten kann. Redenius ist vor 53 Jahren nach Osterhusen gezogen, baut sich sein Haus – und versteht die Welt nicht mehr. „So eine Halle gehört doch nicht in den Ortskern. Das ist ein Schildbürgerstreich“, betonte der Onkel des amtierenden Bürgermeisters Uwe Redenius (parteilos), mit dem er über die Angelegenheit schon gesprochen hat. „Früher konnte man bis zu den Kränen bei den Nordseewerken schauen“, sagte er. Jetzt schaut er auf die ABC-Halle. „Das ist traurig.“
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Noch gut kann er sich daran erinnern, wie ihm die Gemeinde in den 1970ern das Aufstellen einer Metall-Flachdachgarage für sein Haus verboten habe, weil es aufgrund der Dorferneuerung nicht ins Dorfbild gepasst habe. „Mit einem Spitzdach war das erlaubt. Und jetzt so etwas“, kann er kaum fassen, wie mit zweierlei Maß gemessen wird.
Doch noch schlimmer findet es Redenius, dass der Bau der Halle das Dorfklima vergiftet hat. Er sei früher ebenfalls in der Suurhuser Feuerwehr gewesen, bevor er zum Fußball wechselte. „Es war immer gesellig in Osterhusen“, erinnert er sich. „Es ist bedauerlich, dass die Feuerwehrleute uns jetzt nicht mehr grüßen“, sagte er. „Denen tut das eines Tages auch leid“, ist sich Redenius sicher. Er kenne schon jetzt Osterhuser Feuerwehrleute, die mit dem gewählten Standort im Dorfkern keineswegs zufrieden seien. „Mit der Feuerwehr hat das außerdem gar nichts zu tun“, betonte er.
Klage beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg
Eine letzte Hoffnung der Anwohner liegt auf der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes (OVG) Lüneburg. Dort haben die Kritiker eine so genannte Normenkontrollklage eingereicht. Geprüft werden soll, ob bei der Beschlussfassung oder der Genehmigung für die Halle Fehler gemacht worden sein könnten. Das wollten die Anwälte der Gemeinde Hinte und des Landkreises Aurich jedoch verhindern. „Wir warten weiterhin auf einen Termin beim OVG zur Normenkontrolle des gesamten Bauvorhabens“, sagte Benjamins. Bei der Einreichung des Normenkontrollantrages im Juli 2020 habe man ein Jahr bis zur Urteilsfindung einkalkuliert. Vertreten werden die Osterhuser durch das Büro Petersen, Hardraht und Pruggmayer in Dresden. „Wir sind nach wie vor guter Hoffnung“, so Benjamins.
Für Hintes Bürgermeister Uwe Redenius sind die Befürchtungen der Bürger wichtig, doch er sieht die Verwaltung durch die Klage nicht in Bedrängnis. „Das wird im Sande verlaufen“, erklärte Redenius auf Nachfrage. Einige Kritikpunkte in dem Verfahren seien bereits abgelehnt worden. Das sehen Benjamins und Köster allerdings anders. Ihr Anwalt habe der Gemeinde in diesen Tagen erneut „ein Schreiben über die aktuelle Gesetzeslage“ zukommen lassen.
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Bürgermeister Redenius ist froh, dass der Bau schnell voranschreitet. Daran hätten auch die Osterhuser Feuerwehrleute selbst einen wichtigen Anteil. „Sie sind total motiviert“, betonte der Bürgermeister den Einsatz der Kameraden. Er ist zufrieden mit dem Fortgang der Arbeiten und blickt schon auf die Eröffnung Ende Juni. „Nachdem das Richtfest durch Corona abgesagt wurde, wollen wir die Schlüsselübergabe größer aufziehen“, so der Bürgermeister. Dann werde auch der Landkreis durch Landrat Olaf Meinen (parteilos) beteiligt sein.
Bürgermeister Redenius sieht dem OVG-Urteil gelassen entgegen, in dem er auch eine Chance für das Dorf sieht. „Ich hoffe, dass in Osterhusen wieder Ruhe einkehrt und die Wogen sich glätten, wenn die Halle steht“, sagte Redenius.
Die ABC-Halle
Die neue Feuerwehrhalle soll unter anderem den ABC-Zug mit vier Fahrzeugen des Landkreises Aurich aufnehmen. Die ABC-Halle kostet rund zwei Millionen Euro.
Sie ist wegen ihrer Größe im Dorf umstritten, sollte im Gewerbegebiet stehen. Die neue ABC-Halle soll etwa 21 Meter in die Tiefe gehen und 31 Meter breit sowie 8,50 Meter hoch sein.
Der ABC-Zug reinigt die Ausrüstungen der Feuerwehr nach Einsatzen mit Chemie oder biologischen und radioaktiven Stoffen. Der ABC-Zug wurde von Holtrop nach Osterhusen verlegt, weil hier unter anderem das Know-How und auf Dauer genügend Feuerwehrleute gesehen werden.
Die Gemeinde Hinte profitiert durch die Kooperation mit dem Landkreis Aurich, weil hier ein Großteil der Kosten für den Um- und Ausbau übernommen werden. Die Gemeinde Hinte hätte das Feuerwehrhaus für die Ortsfeuerwehr umbauen müssen. So wird hier Geld gespart.
Die Gegner haben vor zwei Jahren 67 Unterschriften gegen den Bau gesammelt. Das Oberverwaltungsgericht prüft, ob die Verwaltung bei der Planung Fehler gemacht haben könnte. Dann wäre es ein „Schwarzbau“, der wieder abgerissen werden müsste.
Die Normenkontrollklage wird vor dem Oberverwaltungsgericht des jeweiligen Bundeslandes geführt. Satzungen werden dabei auf Rechtmäßigkeit geprüft, wenn sie nach dne Vorschriften des Baugesetzbuches erlassen werden, besonders Bebauungspläne.Geprüft wird, ob alle formalen Anforderungen an das rechtmäßige Zustandekommen der Satzung, darunter die Zuständigkeit des Rates und öffentliche Bekanntmachungen erfüllt sind.
Wird eine „formelle Rechtswidrigkeit“ festgestellt, heißt das nicht, dass die Satzung unwirksam ist. Das Baugesetzbuch bietet hier Heilungschancen an.
