Ostfriesische Inseln - Neben Zweitwohnungsbesitzern und Dauercampern können jetzt auch wieder Ferienwohnungsgäste und Camper auf die Inseln reisen. Laut Verordnung müssen sie mindestens eine Woche bleiben. Lediglich auf Baltrum und Langeoog gibt es Ausnahmen. Hier müssen Gäste keine ganze Woche buchen – es dürfen aber frühestens alle sieben Tage neue Gäste kommen. Wie groß ist der Besucherandrang auf den Inseln? Die NWZ hat auf Borkum und Norderney nachgefragt.
Auf Norderney wird es langsam voller
„Es wird langsam voller. Das merkt man natürlich“, sagt Norderneys Bürgermeister Frank Ulrichs. Das bestätigt auch die Reederei Norden-Frisia. Die Fahrgastzahlen liegen wieder öfter im kleinen dreistelligen Bereich, teilt Fred Meyer von der Reederei mit. In den letzten Wochen seien hingegen meistens weniger als 100 Gäste auf einem Schiff gewesen. Ab Donnerstag (14. Mai) werde die Reederei wieder ihren normalen Linienfahrplan nach Juist und Norderney aufnehmen. Allerdings ist die Fahrgastkapazität auf die Hälfte beschränkt. Die Hotels auf der Insel sind weiterhin geschlossen, bestätigt Bürgermeister Ulrichs. Dennoch könnte die Insel schon bald voller werden. Von den schätzungsweise 25.000 Betten würden Ferienwohnungen und Campingplätze etwa 15.000 ausmachen, sagt Ulrichs.
Lockerungen richtig – aber zu kurze Vorbereitungszeit
Die Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt seien seines Erachtens richtig: „„Für die Wirtschaft auf der Insel war es höchste Zeit“, sagt Ulrichs. „Die hätten das nicht mehr lange durchgehalten.“ In Gesprächen mit Ministern hätten die Ostfriesischen Inseln auf ihre Lage aufmerksam gemacht.
Die Fähren der Reederei Frisia befördern wieder mehr Personen nach Norderney, Foto: Carmen Jaspersen
Ein weiteres Diskussionsthema sei die 50-Prozent-Regel in den Restaurants, sagt Ulrichs. Ob das funktionieren könne, werde man sehen: „Da fehlt natürlich was, das kann man auch nicht schöner reden, als es ist.“ Man werde sich irgendwie arrangieren müssen.
Ansturm auf Borkum ist zu bewältigen
Sell sieht die positiven Seiten der Lockerungen: „Wir haben Fähren, die glückliche Urlaubsgäste auf die Insel bringen.“ Die Nachfrage ist, der Ansturm sei aber zu bewältigen. „Wir haben schätzungsweise 20.000 Gästebetten.“ Etwa 75 Prozent davon seien Ferienwohnungen, sagt Sell.
Tagestouristen dürfen auf allen ostfriesischen Inseln noch nicht kommen, sagt Göran Sell, Geschäftsführer des Nordseeheilbads Borkum. Das Infektionsgeschehen solle weiter geringgehalten werden. Die Tagesgäste müssten sich daher noch weiter gedulden.
Auch die Fähren nach Borkum der AG Ems, die derzeit zweimal am Tag von Emden und Borkum ablegen, dürfen derzeit nur die Hälfte der Passagiere befördern, sagt die Pressesprecherin der Reederei Corina Habben. Demnach könnten 600 Personen pro Schiff transportiert werden. „Am Montag hatten wir einen ziemlichen Ansturm.“ Ausgebucht sei die Fähre aber nicht gewesen. „Ansonsten merken wir, dass eine sehr hohe Nachfrage ist, weil aktuell unsere Telefondrähte glühen.“ Habben rechnet mit einer Zunahme des Gästeaufkommens am Wochenende. Der Fahrplan werde daher ab Freitag ausgeweitet. Auf der Fähre gelten Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen, sagt sie: „Wir haben Desinfektionsmittel und Hinweise zum Maske tragen.“
