Ostfriesland - Die seit gestern in Kraft getretene neue Corona-Verordnung des Landes, die Lockerungen für Geimpfte vorsieht, wird nicht nur in der Bevölkerung heftig diskutiert. Auch die ostfriesischen Verwaltungschefs sind uneins über die neuen Regeln, die unter anderem besagen, dass Menschen, die bereits beide Impfungen erhalten haben, 15 Tage später von Test- oder Quarantänepflichten befreit werden. In Ostfriesland würde das Stand heute rund 23 000 Menschen betreffen.

Der Wittmunder Landrat Holger Heymann (SPD) befürchtet eine Spaltung zwischen Geimpften auf der einen Seite und Nicht-Geimpften auf der anderen Seite. Ob es zu so einem Szenario in Zukunft kommen wird, sei aber noch unklar. Allerdings bestimme bei Restaurantbesuchen und Co. zuletzt auch die freie Marktwirtschaft über die Zugangsvoraussetzungen.

Für Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) ist es noch zu früh, die Corona-Regelungen für Geimpfte zu lockern. Er warte zudem noch eine Entscheidung des Ethikrates zu der Thematik ab. Nichtsdestotrotz sollte sich die Politik laut Kruithoff aber auf Öffnungen für Geimpfte einstellen und sich entsprechend vorbereiten.

Aurichs Landrat Olaf Meinen (parteilos) hält die derzeitige Entscheidung hingegen für richtig. Geht von vollständig Geimpften keine größere Gefahr aus als von negativ getesteten Menschen, sollten diesen laut Meinen auch Lockerungen in Aussicht gestellt werden.

Auch der Leeraner Landrat Matthias Groote (SPD) hält Lockerungen für Geimpfte grundsätzlich für den richtigen Ansatz. Aber auch er warnt vor einer Spaltung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften – gerade weil besonders junge Menschen noch gar nicht die Chance hatten, sich impfen zu lassen. Er schlägt vor, diesen Personen deshalb durch negative Testergebnisse die gleichen Lockerungen zu gewähren.

In einer Facebook-Umfrage unserer Redaktion wurde deutlich, dass es auch unter den Bürgern und Bürgerinnen unterschiedliche Meinungen zu Lockerungen für Geimpfte gibt. Während einige Teilnehmer die Lockerungen als zwingend notwendige Wiedererlangung der Grundrechte sehen, fürchten andere, dass die Corona-Impfung dadurch indirekt zur Pflicht wird. Insgesamt sprach sich der Großteil der Facebook-Nutzer gegen das Lockern aus.

Fest steht, dass Geimpfte ihren Impfschutz dokumentieren und gegebenenfalls nachweisen müssen. Dafür wird derzeit am Konzept eines digitalen Impfausweises gearbeitet.