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Fischerei In Ostfriesland Ohne schnelle Hilfen droht ihnen der Untergang

Ostfriesland - Seit fünf Wochen liegen die Kutter der Krabbenfischer häufiger im Hafen, als ihnen recht wäre. Die Fischer fahren nur noch an drei Tagen in der Woche zur See. Was sie da fangen, deckt bei einigen gerade die Unkosten. Mehr nehmen die Großhändler allerdings wegen der Corona-Pandemie nicht ab. Das hat mehrere Ursachen.

Virus legt Schälzentren lahm

Das Pulen der Krabben ist bis heute überwiegend Handarbeit. Dafür werden die Nordseekrabben nach Marokko geschickt. In dem nordafrikanischen Land arbeiten meist Frauen auf engem Raum in großen Schälfabriken. Das ist wegen der Ansteckungsgefahr nicht länger möglich. In manchen Fabriken sei die Leistung um 20 Prozent gesunken - in anderen um 100, erklärt Dirk Sander von der Erzeugergemeinschaft der deutschen Krabbenfischer. Der Verband vertritt die Interessen von rund 90 Fischern, darunter viele an der ostfriesischen Küste.

Großhändler verhängen Fangstopp

Wichtigster Abnehmer der Gemeinschaft ist ein niederländischer Großhändler. Dessen Kühllager sind derzeit aber gefüllt, weil die Nachfrage eingebrochen ist. Restaurants entlang der Nordseeküste haben wegen der Pandemie geschlossen. Und in den geöffneten Supermärkten verkaufen sich die Krabben schlecht, stellt Sander fest. Das komme nicht überraschend, da Luxusartikel in Krisenzeiten weniger gefragt seien. Der Zeitpunkt sei aber denkbar ungünstig, da viele Fischer ihre Rücklagen bereits im vergangenen Jahr verbrauchten. Damals hatten die Großhändler mehrfach einen kompletten Fangstopp verhängt. Insgesamt sechs Wochen lang mussten die Fischer ohne Einnahmen auskommen. Grund waren rekordverdächtige Fangmengen im Jahr 2018. Die Lagerkapazitäten der Großhändler waren dadurch erschöpft, der Preis stürzte ab.

Hoffnungen lagen auf dieser Saison

Wie viele anderen Fischer hat Tom Caspers seine Hoffnungen deshalb auf die aktuelle Saison gesetzt. Der 38-Jährige fährt mit seinem Kutter „Gerda Bianka“ von Accumersiel aus zur See. Aktuell kann er nur noch von Montag bis Mittwoch fischen – unabhängig davon, ob das Wetter mitspielt oder nicht. „Wir fangen praktisch, um unsere Unkosten zu decken“, sagt Caspers. Er ist in der vierten Generation Krabbenfischer und kennt die finanzielle Ungewissheit, die das Geschäft mit sich bringt. Die Coronakrise trifft ihn dennoch hart. Die Hälfte der erwarteten Einnahmen fehle bisher. Zwar habe er eine Soforthilfe erhalten, sagt Caspers. Diese helfe ihm aber nur einen, höchstens zwei Monate weiter.

Regierung beschließt Soforthilfen

Unsicheres Geschäft

Der Krabbenfang war schon immer ein unsicheres Geschäft. Die Preise unterliegen starken Schwankungen, weil die Fangmengen von Jahr zu Jahr verschieden sind. Woran das liegt, ist nicht hinreichend erforscht. Ein Faktor ist beispielsweise die Population der natürlichen Fressfeinde von Krabben. So waren diese vor drei Jahren Mangelware. Ein Krabbenbrötchen konnte nach Medienberichten schonmal bis zu zwölf Euro kosten. In guten Jahren kann der Kilopreis laut der Erzeugergemeinschaft der deutschen Krabbenfischer auf acht Euro steigen. 2018 fingen die Fischer dann so viele Tiere, dass der Preis im Jahr darauf auf 2,80 Euro pro Kilo fiel.

Weil es vielen Fischern ähnlich geht, hat die Bundesregierung nun weitere finanzielle Hilfen auf den Weg gebracht. Möglich wurde das durch eine Regeländerung auf europäischer Ebene. Wie viel die Fischer erhalten sollen, entscheiden die Staaten indes selbst. Demnach sollen deutsche Betreiber kleinerer Kutter für jeden Tag, den sie im Hafen bleiben, 200 Euro erhalten. Die Besitzer größerer Kutter bekommen 240 Euro, wie aus einer Pressemitteilung der Erzeugergemeinschaft hervorgeht. Darin äußern Fischereiverbände aber auch Kritik. „Die Höhe der Förderung ist ein Witz“, wird Kai-Arne Schmidt, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Nord- und Ostseefischer, zitiert. Nach Abzug der Steuern und der laufenden Kosten bleibe für die Fischer nichts übrig. Die Verbände fordern außerdem koordinierte Programme verschiedener Staaten, um den internationalen Wettbewerb gerecht zu halten. In den Niederlanden beispielsweise bekämen Fischer deutlich mehr Unterstützung.

Tom Caspers bleibt jedenfalls nichts anderes übrig, als die Tage zu nutzen, an denen er zur See fahren darf. „Solange sich alle daran halten, bleibt der Markt wenigstens stabil“, sagt er. Für ein Kilo Krabben bekommt er aktuell 4,80 Euro. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr rutschte der Kilopreis laut Sander auf bis zu 2,80 Euro ab. So gesehen habe die Saison nicht schlecht angefangen, sagt Caspers. Sein Sohn Silas gibt sich optimistisch: „Es kommen auch wieder bessere Zeiten“.

Svenja Fleig
Svenja Fleig Thementeam Wirtschaft
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