Ostfriesland - Im Kreis Aurich nimmt die Zahl der Auffrischungsimpfungen Fahrt auf: In der vergangenen Woche wurden laut Dieter Krott, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Bezirksstelle Aurich, 2400 Drittimpfungen durchgeführt. Zum Vergleich: In der Woche davor waren es 1953. Und auch die Zahl der Impfungen generell, also neben Drittimpfungen auch Erst- oder Zweitimpfungen, nimmt zu: In der vergangenen Woche waren es insgesamt 5100 im Landkreis Aurich, in der Woche davor 4466.
Praxen von Anfragen teils überrannt
Grundsätzlich ist das ein Grund zur Freude, wie Krott im Gespräch mit der NWZ sagte. Aber: „Die Praxen werden mit Anfragen überrannt“, hieß es. Davon kann auch der Riepster Arzt Helmut Schaer ein Lied singen – allerdings eher ein Klagelied: „Wir haben unfassbar viel mit Anrufen und Nachfragen zu tun“, so Schaer. Die medizinischen Fachangestellten leisteten derzeit „Unglaubliches“.
Gleichzeitig ist Schaer aber froh über jede injizierte Drittimpfung: „Dadurch schützt man sich selbst und andere“, sagte der Mediziner. Momentan sei die Arbeitsbelastung wirklich hoch, dennoch hält er nichts davon, die Impfungen wieder in Impfzentren auszulagern: „Das ist ein völliger absurder Vorschlag von Herrn Spahn gewesen“, kritisierte er. Denn: Eine Impfung im Impfzentrum ist verschiedenen Medienberichten zufolge rund siebenmal teurer als beim niedergelassenen Hausarzt. Die eingesparten Mehrausgaben sollten laut Schaer den medizinischen Angestellten zugutekommen: „Die haben das mehr als verdient“, sagte er. „Man kann die Arbeit nicht hoch genug loben“, hieß es.
Impfen kein Sprint, sondern Marathon
Krott zufolge ist aber nicht nur die Arbeitsbelastung durch die vielen Anfragen neben dem medizinischen Alltagsgeschäft eine Herausforderung. Viel mehr ist der Bestellrhythmus der Impfdosen ein Problem. Laut Krott kommen die Dosen erst in der übernächsten Woche nach Bestellung bei den Ärzten in der Region an: „Das dauert viel zu lange“, so Krott. Der Lieferzeitraum müsse deutlich verkürzt werden: „Das ist ein hausgemachtes Problem“, so Krott. Und er weiß auch von einigen Arztpraxen, die vor der zusätzlichen Impf-Aufgabe schon kapituliert hätten: „Die können es zum Teil nicht mehr abbilden“, sagte der Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung.
Aufgeben ist für Schaer keine Option – im Gegenteil. Er sieht seine Aufgabe nicht als Sprint, sondern als Marathon und wird auch weiterhin versuchen, für jede Impfdose einen Empfänger zu finden: „Ich impfe jeden, der will und bei dem es angemessen ist“, so Schaer. Das koste allerdings viel Zeit, wie Schaer auch selbst weiß. An freien Nachmittagen ist er in der Region unterwegs und impft Personal in Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie Mitarbeiter des Gesundheitswesens.
