Ostfriesland - Angesichts der Corona-Krise sehen die niedersächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) die touristische Branche existenziell bedroht. „Seit sechs Wochen praktisch null Einnahmen, die Betriebskosten laufen weiter – das halten die Unternehmen nicht mehr lange aus“, so Bernhard Brons, Präsident der IHK für Ostfriesland und Papenburg. Erste Betriebe hätten bereits endgültig geschlossen.
Mit einem gemeinsamen Papier wenden sich die sieben niedersächsischen IHKs jetzt an die Landespolitik. Darin wird betont, dass die Branche mit dem nächsten Gespräch zwischen Kanzlerin und Ministerpräsidenten eine Perspektive für eine allmähliche Lockerung der Komplettschließungen benötige. Insofern werde das Gesprächsergebnis zwischen den Inselbürgermeistern und Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann begrüßt. „Allerdings darf man nicht aus den Augen verlieren, dass der verminderte Betrieb auch weiterhin zu erheblichen Umsatzeinbußen bei den Unternehmern der niedersächsischen Tourismusbranche führen wird“, so Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der IHK Niedersachsen.
In Niedersachsen würden rund 300 000 Arbeitsplätze vom Gastgewerbe abhängen, die mit jeder weiteren Woche der Schließung zunehmend auf der Kippe stünden. Die IHKs sprechen sich ebenfalls für schrittweise Lockerungen aus. Gastronomiebetrieben und Freizeiteinrichtungen sollte die Öffnung unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen schnellstmöglich wieder erlaubt werden. „Für Gastronomiebetriebe ist im ersten Schritt die Öffnung der Außengastronomie denkbar. Auch der Übernachtungstourismus sollte schrittweise wieder freigegeben werden. Als Grundlage sollten dabei Anforderungen in den Bereichen Hygiene, Abstand und Nachverfolgbarkeit dienen.“ Dies sei in Bereichen wie Zweitwohnungen und Dauercamping sowie Wohnmobilstellplätzen einfacher zu handhaben, heißt es in dem Papier.
Ein wichtiger Punkt für die mittelfristige Perspektive ist nach Auffassung der IHKs die Gewährleistung der Nachverfolgbarkeit mittels elektronischer Verortungssysteme über Handydaten (Apps). Es sei vorstellbar, dass eine solche App auch in Deutschland genutzt wird, um die Verbreitung des Virus zu verhindern und gegebenenfalls sogar den Zugang zu Einrichtungen, Unternehmen, Fähren und Bahnen nur Gästen ohne Anzeichen der Viruserkrankung und ohne vorherigen Kontakt zu Infizierten zu gewähren.
Appell an Althusmann
Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD) appelliert an Wirtschaftsminister Althusmann, den Drei-Stufen-Plan auf den Weg zu bringen. „Die Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen, dass eine vorsichtige Öffnung möglich ist.“ Möller weiter: „Viele Menschen sind von der Krise betroffen. Insbesondere in unserer Region sind zahlreiche Menschen vom Gastgewerbe und vom Tourismus abhängig. Wir müssen daher schnell individuelle Lösungen finden, die die Vermietung wieder ermöglicht. Im zweiten Schritt müssen wir auch eine Öffnung der Gastronomie möglich machen, da sonst viele Lokale ihre Türen nicht wieder öffnen werden.“ Sie betonte, dass eine Öffnung jedoch nur dann möglich sei, wenn die grundsätzlichen Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten würden.
