OSTFRIESLAND - In der Nabu Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland kommen momentan viele Anfragen zum Thema Igel an. Normalerweise kommen die ersten Anrufe wegen der kleinen Stachelritter Ende September oder Anfang Oktober. Doch dieses Jahr ist alles früher dran. Meist beginnt der Anruf so: 'Ich habe einen kleinen Igel gesehen, der schafft das doch gar nicht durch den Winter zu kommen. Kann ich ihnen den bringen?' Andere berichten von kleinen Igeln, die bei der Gartenarbeit gefunden wurden oder ins Haus geholt wurden, weil es zu warm oder zu kalt auf dem Freiland war.
'Der Igel gehört zu den geschützten Tierarten, die weder gefangen noch getötet werden dürfen', so Jan Schürings von der Nabu Regionalgeschäftsstelle Ostfriesland. Das Bundesnaturschutzgesetz beschränkt eine Naturentnahme auf absolute Ausnahmen: Ausschließlich verletzte oder kranke Igel dürfen zeitweise aufgenommen werden, um sie gesund zu pflegen und alsbald wieder in die Natur zu entlassen. Gerade junge Igel werden vorschnell aus der Natur entnommen. Was viele Menschen nicht wissen: 80 Prozent der Igel wurden gerade erst in den Monaten August und September geboren. Deshalb sind Igel, entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, derzeit auch mal tagsüber aktiv, denn insbesondere die Jungtiere müssen sich noch einige Fettreserven für den Winter anfressen. Hilfe für Igel: Durch den Laubabwurf der Bäume sind an den Straßenrändern bereits Laubhaufen entstanden, welche die Tiere als Unterschlupf nutzen. Jan Schürings appelliert: 'Das Laub sollte einfach liegen gelassen werden. Die Laubhaufen sind ideale Behausungen für die Igel – gerade zur Jungenaufzucht.' Im Privatbereich sind naturnahe Gärten mit dichten Hecken und einheimischen Gehölzen sowie Komposthaufen sowohl als Nahrungsräume als auch als Winterquartier von großer Bedeutung. Die Nabu Regionalgeschäftsstelle ruft dazu auf, den eigenen Garten igelgerecht zu machen. 'Das bedeutet, Reisig- und Laubhaufen aufzuschichten oder das Laub einfach liegen zu lassen', erläutert Jan Schürings. Außerdem gelte es, 'Igelfallen' zu entschärfen, das heißt Gräben, Keller- oder Lichtschächte mit Brettern zu versehen oder Ausstiegshilfen zu schaffen. Gleiches gilt für Teiche mit senkrechten Ufern. Auch künstliche Verstecke werden gerne angenommen – nicht nur für den Winterschlaf. Diese Igelburgen können ohne großen Aufwand selbst gebaut werden oder sind im Fachhandel erhältlich.
Übrigens: Erst wenn die Bodentemperatur langfristig um den Gefrierpunkt liegt, ziehen sich Igel komplett zurück.
