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NWZonline.de Region Ostfriesland

Kolumne von Klaus-Peter Wolf: Klein, aber fein: Helden der Kindheit in Piccolo-Heftchen

12.08.2022

Ostfriesland Die Helden meiner Kindheit hießen Sigurd, Falk, Akim, Tibor oder Nick. Der eine war Sohn des Dschungels, der andere ein edler Ritter und natürlich war auch ein Weltraumfahrer dabei. Zwanzig Pfennig kosteten die – damals Piccolo genannten – schmalen Heftchen.

Es gab sie an jedem Kiosk.

Für die meisten Erwachsenen war das Schund. In der Schule waren die Piccolos verpönt. Wenn schon Comics, dann sollten wir wenigstens Geschichten von Walt Disney lesen oder Rolf Kauka. Also Micky Maus oder Fix und Foxi. Aber bei uns waren die Figuren von Hansrudi Wäscher Kult.

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Vor die Wahl gestellt, von meinem Taschengeld Eis, Schokolade oder Lakritz zu kaufen, entschied ich mich für die Piccolo-Heftchen.

Bei meinem ostfriesischen Onkel Warfsmann versteckte ich Teile meiner Sammlung.

Er mochte besonders Akim und Tibor. Zu Weihnachten schenkte er mir mal einen Großband, nicht gerade zur Freude meiner sehr auf Moral bedachten Oma.

Ein Erlebnis hat sich mir besonders eingeprägt. Ich fuhr mit Onkel Warfsmann von Gelsenkirchen nach Ostfriesland. Es regnete heftig.

Unterwegs hatte es vor uns einen Unfall gegeben. Ein Lkw war auf regennasser Fahrbahn umgekippt. Ich sollte im Auto bleiben. Onkel Warfsmann rannte hin, um zu helfen. Die Polizei kam und auch ein Rettungswagen.

Ich verbrachte gefühlt zwei Stunden im VW Käfer.

Da wehte der Wind Hansrudi Wäscher Hefte über die Autobahn. Eins blieb an der Windschutzscheibe kleben: Sigurd „Spuk an der Teufelsbrücke“. Das Heft hatte ich noch nicht. Ich sah noch mehr bedrucktes Papier über die Autobahn flattern. Als Onkel Warfsmann zu mir zurückkam und wir die Fahrt fortsetzen konnten, hatte er mir zur Belohnung, weil ich so brav gewartet hatte, einen ganzen Stapel Hefte mitgebracht. „Die sind alle auf die Fahrbahn gefallen“, sagte er.

Als wir an der Unfallstelle vorbeifuhren, sollte ich die Augen schließen, aber ich schielte hin. Da wurden gerade hunderte aufgeplatzter Kartons weggetragen.

Ich besaß jetzt leider keine tolle neue Sammlung, sondern zwanzig Mal Sigurd „Spuk an der Teufelsbrücke“. Zum Glück konnte ich mit Freunden tauschen. Ein richtiger kleiner – halb illegaler – Lese Club hatte sich gegründet. Eines Tages, weil ich irgendetwas Freches gemacht hatte, verbrannte mein Vater alle Hefte, die er bei mir fand, in einem Feuer auf dem Hof.

Zum Glück hatte ich einige meiner wertvollsten Stücke bei Onkel Warfsmann in Sicherheit gebracht.

Er kam zu spät, um meinen Schatz zu retten. Er sagte zu meinem Vater: „Da brennt kein Schund. Da verbrennst du gerade ein Vermögen“.

Wenn ich die Preise sehe, die heute von Sammlern geboten werden, weiß ich: Onkel Warfsmann hatte mal wieder Recht.

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