• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Ostfriesland

Kolumne von Klaus-Peter Wolf: Rettet die Kulturnation: Von Armut im Land der Dichter und Denker

10.12.2021

Ostfriesland Zwei-, dreimal pro Woche erreichen mich Bittbriefe. Nein, es sind keine in Not geratene Künstlerkollegen und auch meine Leserinnen wollen keinen Zuschuss zum Lebensunterhalt von mir.

Es sind meist Schulbibliotheken. Meine Frau Bettina Göschl bekommt solche Bitten auch oft von Kinderbüchereien, die in Kindergärten aufgebaut werden. Sie wollen Bilderbücher von ihr. Am liebsten natürlich signiert und umsonst.

Bei mir geht es von den Nordseedetektiven bis zu den Ostfriesenkrimis. Die Bibliotheken – sofern es überhaupt welche gibt – werden meist ehrenamtlich betrieben. Manchmal von engagierten Eltern. Die Schüler helfen mit und – mit ein bisschen Glück – bekommt eine Lehrkraft ein, zwei Freistunden für die Arbeit. Nur an sehr großen Schulen arbeitet wirklich eine hauptamtliche Bibliothekarin.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Ostfriesland-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

In Ostfriesland ist das Elend genauso groß wie im Rest des Landes. Seit mehr als vierzig Jahren reise ich durch Schulen und Bibliotheken, um aus meinen Büchern vorzulesen. Ich nenne es nicht Dichterlesung. Das klingt so altbacken. Ich nenne es Autorenbegegnung. Ich lese auch nicht nur vor, sondern rede mit den Schülerinnen und Lehrern. Es hat sich in all den Jahren nichts verändert. Die Digitalisierung der Schulen wird vorangetrieben, aber den Schulbibliotheken fehlt das notwendige Geld für Neuanschaffungen.

Das Lesen von Romanen und Kurzgeschichten ist eine unverzichtbare Kulturtechnik. Ich spreche bewusst nicht von Sachbüchern, sondern von Belletristik. In Kinderbüchern und Romanen lernen wir, die Welt – die wir längst kennen - aus einer anderen Sicht zu sehen. Beim Lesen werden neue Verhaltensmuster, neue Denkweisen ausprobiert und im Kopf entstehen Welten. Lesen ist eine Weltaneignung.

Wenn unsere Kinder aufhören zu lesen, sind wir als Kulturnation verloren. Unsere Sprache und unsere Geschichten halten uns zusammen. Literatur ist identitätsstiftend.

Schon vor Jahren formulierte ich eine Forderung an die Politik: Jedes Kind hat ein Recht auf gut ausgestattete Bibliotheken und zusätzlich auf ein eigenes Buch pro Monat. Der Einwand, in bestimmten Familien würde das Geld dafür nur für Schnaps und Zigaretten ausgegeben, zeigt nur die Phantasielosigkeit und Ignoranz von Nichtlesern.

Es könnten Gutscheine ausgegeben werden. Einzulösen in einer örtlichen Buchhandlung. Das würde – als kleiner Nebeneffekt – den stationären Buchhandel stützen und die Verlagslandschaft stabilisieren. Vor allen Dingen aber könnten wir im Land der Dichter und Denker damit zeigen, was uns die Kinder und Jugendlichen wert sind.

Lasst uns in Ostfriesland damit beginnen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.