Ostfriesland - In den meisten Ratssitzungen ist es längst Usus. Ab sofort dürfen sich auch während der Sitzungen der Landschaftsversammlung Bürgerinnen und Bürger innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zu Wort melden, wenn sie eine Frage haben. Dies hat die Landschaftsversammlung am vergangenen Samstag einstimmig beschlossen. Getagt wurde, wie üblich, im Auricher Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft, wobei etliche Delegierte wegen der aktuellen Corona-Situation per Video zugeschaltet waren.
Die Auswirkungen und der Umgang mit der Pandemie waren ohnehin eines der beherrschenden Themen der Versammlung. Bereits zu Beginn musste Landschaftspräsident Rico Mecklenburg ein nach eigenem Bekunden für ihn ungewohntes Prozedere übernehmen, nämlich ein neues Mitglied „per Online-Handschlag“ verpflichten.
Budget: 5,6 Millionen
Hinsichtlich der Budgets sind die beiden Haushaltsjahre 2021 und 2022 mit knapp sechs Millionen Euro und 5,6 Millionen ausgeglichen. Es gab lediglich ein paar Verschiebungen, was hauptsächlich am Bau des neuen Sammlungszentrums für historisches ostfriesisches Kulturgut auf dem Gelände der ehemaligen Blücherkaserne liegt. Die Maßnahme wird sich „erheblich verteuern“, wie Rico Mecklenburg am Samstag anmerkte, so dass sie in zwei Bauabschnitte gegliedert wurde.
Die Kostensteigerung kann jedoch durch zusätzliche öffentliche Fördergelder kompensiert werden. Der Landschaftspräsident lobte in dem Zusammenhang ausdrücklich das fraktionsübergreifende Engagement der Politik und zeigte sich zuversichtlich, dass dies auch weiterhin so bleiben wird, zumal jetzt allein drei Mitglieder der Landschaftsversammlung im neuen Bundestag sitzen würden. „Ich glaube, das hatte wir vorher noch nie“, meinte Mecklenburg mit spürbar stolzem Unterton.
Einiges getan hat sich bei der Außendarstellung. Dank der Einrichtung einer Pressestelle und der damit einhergehenden Ausweitung der Öffentlichkeitsarbeit hat die Ostfriesische Landschaft unter anderem auf Facebook mehr als 4000 feste Abonnenten und erreicht über regelmäßige Video-Postings zum Beispiel zur Arbeit der Landschaft inzwischen rund 20 000 Menschen. „Das sind im Vergleich zu allen anderen niedersächsischen Landschaftsverbänden absolute Spitzenwerte“, freute sich Rico Mecklenburg. Ebenfalls sehr gut angenommen worden sei die Plattdeutsch-Lernapp fürs Handy „Plattino“. Die wurde bisher rund 30 000 Mal heruntergeladen. Für nächste Jahr ist eine neue Version der App auf erhöhtem Sprachniveau geplant.
Extrem eingeschränkt
Extrem eingeschränkt vor allem während der ersten Jahreshälfte war der Bereich der Bildung und Fortbildung. Viele Angebote vom der Ostfriesischen Landschaft angeschlossenen Regional Pädagogische Zentrum mussten aufgrund des Lockdowns entweder komplett ausfallen oder ins Internet verlegt werden. Seit dem Sommer sind wieder Präsenzveranstaltungen möglich, die teils „hybrid“ durchgeführt werden, sie finden in einer Kombination aus persönlicher Präsenz und Videokonferenz statt. An einer dieser Veranstaltungen konnten immerhin rund 100 Personen teilnehmen. Zudem erwies sich die Option Online oft als gute Gelegenheit, Experten zu Fachtagungen einzuladen und darin einzubinden, die man sich regulär allein wegen der langen Anreise ansonsten wohl gar nicht hätte leisten können.
Deutlich abgespeckt präsentierte sich im abgelaufenen Jahr eines der kulturellen Aushängeschilder der Ostfriesischen Landschaft, nämlich die Gezeitenkonzerte. Trotz strenger Hygieneauflagen konnten aber zumindest einige Auftritte jeweils als Doppelkonzerte live über die Bühne gehen.
Festival geplant
Sofern die Umstände dies zulassen, soll die zehnte Auflage des Festivals im kommenden Jahr groß gefeiert werden. Auch ausgefallene Highlights der voran gegangenen Saison wie die Auftritte von Dominique Horwitz sowie Ulrich Tukur und seinen Rhythmus Boys sollen 2022 nachgeholt werden. Gleiches gilt für das 200-jährige Jubiläum des altehrwürdigen Emder Vereins „1820dieKUNST“, das ebenfalls mitten in die Pandemie fiel. Nun soll der runde Geburtstag 2022 beim „Oll’ Mai“ in der Emder Johannes a Lasco Bibliothek in gebührendem Rahmen „nachgefeiert“ werden.
Sammlungszentrum
Recht ordentlich zu tun trotz Corona-Krise hatte die archäologische Abteilung der Ostfriesischen Landschaft. Wenn es bei Baumaßnahmen zu Verzögerungen kam, so hatte dies in den seltensten Fällen mit der Pandemie zu tun. Meistens waren Lieferengpässen beim Baumaterial daran schuld.. Ein Einsatzschwerpunkt der Archäologen ist nach wie vor die Begutachtungen im Zusammenhang von Verlegungen von Offshore-Stromleitungen. Ansonsten kümmert man sich jetzt schon fleißig um das Einpacken der wertvollen Asservate im Hause. Nach aktuellem Planungsstand sollen die dafür vorgesehenen Räumlichkeiten im neuen Sammlungszentrums im April bezugsfertig sein.
Zum Schluss wurde dann noch der eingangs erwähnte Tagesordnungspunkt „Bürgerfragen“ abgesegnet, allerdings verbunden mit dem eindringlichen Appell der Delegierten, dieses neue Angebot auch tatsächlich nur für relevante Fragen zu nutzen und nicht für etwaige Monologe oder persönliche Statements zweckzuentfremden. Die Zeitfenster sind deswegen bewusst auf jeweils 15 Minuten zu Beginn und am Ende der Sitzung begrenzt worden.
