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NWZonline.de Region Ostfriesland

Kolumne von Klaus-Peter Wolf: Sternstunden eines kleinen Jungen mit Herzfehler

02.07.2022

Ostfriesland Ich war ein kleiner, schmächtiger Junge mit einem unerkannten Herzfehler und hielt beim Fußball nicht lange durch. Niemand wollte mich in der Mannschaft haben. In Gelsenkirchen, der damals durch Schalke 04 berühmten Fußballstadt, war ich eine echte Schande.

Aber ich konnte lesen und durfte an jedem Wochenende für meinem Onkel Warfsmann, den die Liebe zu meiner Tante Mia von der Küste ins Ruhrgebiet verschlagen hatte, den Stern am Kiosk kaufen. Für mich waren auch noch kleine Salinos, Silberfische und Veilchen drin. Ich mochte Lakritz, genau wie er.

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Die Bilder sahen wir zunächst gemeinsam an. Bei Politikern wusste er immer gleich die Namen. Bei Filmstars war ich manchmal sogar besser. Dann lehnte er sich zurück, rauchte abwechselnd Pfeife oder Ernte 23 und ich las ihm vor. Ich kapierte nicht alles. Aber ich genoss es. Es war wie ein Ritual.

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Viele Erwachsene schüttelten darüber den Kopf. Die einen befürchteten, das sei noch nichts für mich und würde mich verderben. Die anderen behaupteten, Onkel Heinz könne selbst nicht lesen. Ein bisschen Recht hatten sie wohl alle.

Sehr früh lernte ich so den Namen eines Mannes kennen, der für Onkel Warfsmann ein Held war: Henri Nannen. Ein Ostfriese wie er selbst und in seinen Augen der beste Journalist des Landes.

Er nannte ihn Henri, als hätten sie damals in Emden so manches Matjesbrötchen zusammen gegessen, aber ich glaube, sie sind sich nie persönlich begegnet. Onkel Warfsmann war einfach stolz darauf, dass Henri Nannen, der Ostfriese, sich in der Welt so gut behauptete.

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Onkel Warfsmann hatte ein paar alte Stern Ausgaben in seiner Sammlung. In meiner Erinnerung waren die Titelblätter schwarz-weiß. Eine Reise durch Russland in einem roten Mercedes spielte darin eine wichtige Rolle. Besondere Sätze ließ Onkel Warfsmann mich zwei- oder dreimal vorlesen. Ich lernte viel, wovon ich noch heute beim Schreiben profitiere. Zum Beispiel klar und bildhaft zu erzählen.

Onkel Warfsmann sagte mal: „Der Henri weiß, wie es geht. Er beginnt mit einem Erdbeben, und steigert sich dann langsam. Er macht uns neugierig, warum das Unglück geschehen ist, und führt uns dann in die Tiefe. Mit so einem Erzähler gucken wir gern in den Abgrund.“

Diese Stunden mit Onkel Warfsmann und Henri Nannens Stern, haben mir unendlich viel gegeben. Ich wollte nicht Fußballer werden, wie die meisten Jungen in meinem Alter. Ich wollte schreiben. Eine große Hilfe war mir dabei ein ehemaliger Seemann, der sein Geld als Hilfsarbeiter unter Tage verdiente und kaum lesen konnte, aber die richtigen Leute verehrte.

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