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NWZonline.de Region Ostfriesland

Kolumne von Klaus-Peter Wolf: Was Kumpels und Seeleute eint: Ein Hoch auf die Solidarität

22.01.2022

Ostfriesland Mein ostfriesischer Onkel Warfsmann kam hungrig von der Nachtschicht zurück. Normalerweise legte er sich dann direkt schlafen, weil er „groggy“ war, wie er es nannte. Aber einmal war das anders.

Ich erinnere mich genau. Ich war noch im Grundschulalter.

Er wollte morgens um kurz nach sechs mit uns essen. Nein, kein Frühstück. Er brauchte etwas Warmes. Er bekam Reste vom Mittagessen.

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Tante Mia fragte ihn, was denn los sei, ob ihm die Brote nicht geschmeckt hätten. Sie machte jeden Tag mit viel Liebe – wie ich fand – eine Butterbrotdose für ihn fertig. Darin belegte Brote und Apfelschiffchen. Seine Proviantdose war nicht aus buntem Plastik, sondern aus silbern glänzendem Metall mit vielen Beulen drin. Zusammengehalten wurde sie mit einem roten Einweckring.

Kartoffeln und Brathering kauend gab er ein wenig verschämt zu, er hätte sein Essen mit einem italienischen Kollegen geteilt. Der sei als Gastarbeiter neu und habe den ersten Lohn noch nicht erhalten.

Tante Mia suchte wortlos eine alte Butterbrotdose und stellte sie bereit. Unausgesprochen war klar, dass sie in nächster Zeit eben für zwei Männer Brote schmieren würde.

Onkel Warfsmann war lange zur See gefahren und dann Bergmann im Ruhrpott geworden. Er erklärte mir: „Seefahrer und Bergleute haben viel gemeinsam, Klaus-Peter.“

Ich hielt das für einen Scherz. „Quatsch!“ rief ich. „Die einen sind den ganzen Tag auf dem Meer an der frischen Luft und die anderen unter Tage in dunklen Stollen.“ Ich stellte mir in meiner kindlichen Phantasie das Leben eines Seemanns als frei vor und die eines Bergmanns als eine Art moderner Sklaverei.

Doch Onkel Warfsmann belehrte mich in seiner ruhigen Art. Dabei zündete er sich eine Pfeife an und paffte die Küche voll. Tante Mia öffnete ein Fenster.

„Seeleute fahren aufs Meer raus und Bergleute tief runter unter die Erde, um das schwarze Gold zu heben. Aber keiner von ihnen weiß, ob er lebend wieder zurückkommen wird. Man hofft es nur. Doch eins eint sie: Alle sind vollkommen aufeinander angewiesen. Keiner wird im Stich gelassen. Das ist das Versprechen, das alle Kumpel und Seefahrer sich geben.“

Solidarisches Zusammenarbeiten war für Onkel Warfsmann und die Menschen, bei denen ich aufwuchs, überlebenswichtig. Mit Konkurrenzdenken kamen sie nicht weiter. Das war ihnen fremd.

Onkel Warfsmann hat das neue Jahrtausend nicht mehr erlebt.

Ich weiß nicht, ob er in der heutigen Welt zurechtkommen würde. Ich fürchte, eher nicht. Aber vieles, was ich von ihm gelernt habe, ist mir heute noch innerer Kompass.

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