OSTFRIESLAND/WILHELMSHAVEN - Die CDU startet auf der ostfriesischen Halbinsel mit einer Kampfansage in die neue Legislaturperiode: 'Jetzt greifen wir weiter an in der roten Hochburg', verkündete der Auricher CDU-Kreisvorsitzende Sven Behrens am Montagmorgen. Im Wahlkreis 24, Aurich-Emden, zieht CDU-Bewerber Heiko Schmelzle über die Landesliste in den Bundestag ein. 19 Jahre nach Wilfried Bohlsen, Wiesmoor, habe die CDU des Wahlkreises wieder eine Vertretung in Berlin. 'Das ist sensationell', freut sich Behrens.
CDU und SPD können insgesamt jeweils drei Abgeordnete nach Berlin entsenden: Neben Schmelzle zieht auch Hans-Werner Kammer (Wahlkreis 26, Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund) über die Liste in den Bundestag ein, CDU-Politikerin Citta Connemann (Wahlreis 25, Unterems) holte mit 54,7 Prozent das Direktmandat. Für die SPD gehören die Wahlkreis-Gewinner Karin Evers-Meyer (WK 26) und Johann Saathoff (WK 24) sowie über die Liste Markus Paschke (WK 25) dem Parlament an. Gescheitert sind hingegen die Bundestagsabgeordneten Hans Michael Goldmann (FDP, WK 25) und Thilo Hoppe (Grüne, WK 24).
Seit Sonntagnacht rätseln nun alle, wie es in Berlin weitergehen soll. Die CDU mit Kanzlerin Angela Merkel hat zwar ein herausragendes Ergebnis erzielt, ist aber knapp an der absoluten Mehrheit gescheitert. Sie ist auf Partner angewiesen. Hans-Werner Kammer meinte am Montag: 'Wir werden wohl mit den Grünen und mit der SPD reden.' Die größeren Schnittmengen sehe er inhaltlich bei den Sozialdemokraten. 'Aber insgesamt kann im Moment keiner sagen, wie es weitergehen soll', so Kammer. Die mögliche Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung durch Grüne und SPD lehnt er ab: 'Wir brauchen stabile Mehrheiten im Bundestag, denn es gibt wichtige Probleme wie die Euro-Krise zu lösen.' Kammer schloss nicht aus, dass sich sogar noch eine rot-rot-grüne Mehrheit im Bundestag finden wird. 'Ich befürchte das', so der Abgeordnete.
Karin Evers-Meyer (SPD) erwartet langwierige Verhandlungen in Berlin. 'Wir müssen uns lange Zeit nehmen. Es kommt darauf an, welche Ziele man mit wem durchsetzen kann.' Die Initiative liege jetzt bei Kanzlerin Angela Merkel. 'Ich sage aber auch ganz klar, dass es in der SPD große Vorbehalte gegen eine Große Koalition gibt', so die Politikerin, die sich am Montag bereits auf dem Weg nach Berlin gemacht hat. Im Moment sei 'noch alles möglich'. Die SPD müsse jetzt intensiv und kritisch analysieren, wie es zu dem insgesamt schwachen Abschneiden der Partei kommen konnte.
