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NWZonline.de Region Ostfriesland

Kolumne von Klaus-Peter Wolf: „Acht ist mehr als Tausend“ - auf den Onkel konnte man zählen

06.08.2021

Ostfriesland In Mathematik war ich nie gut. Mühsam lernte ich das kleine Einmaleins auswendig. Kopfrechnen war nicht mein Ding. Vielleicht, weil immer die Phantasie mit mir durchging.

Die Lehrerin, Frau Flamme, die mich jedes Mal korrigierte, wenn ich sie so nannte, denn sie wollte lieber ein Fräulein sein, wollte von mir wissen: „Wieviel sind sechs mal fünf?“ Um korrekt zu sein, fragte sie: „Wieviel ist sechs mal fünf?“, aber das war nicht mein größtes Problem, sondern ich wollte mir die Fünf vorstellen und wollte wissen, wie sie aussieht.

War es eine stolze Fünf oder mehr so eine verhuschte? War sie aus Holz, aus Plastik oder gar aus Schokolade? Ich fragte das und bekam zur Antwort, das spiele keine Rolle.

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Wen wundert es, dass ich den Matheunterricht nicht ernst nahm? Ob etwas aus Holz ist, aus Plastik oder aus Schokolade, spielt nämlich eine große Rolle. Von Marzipan will ich jetzt erst gar nicht anfangen.

Das klingt heute alles lustig, war es aber damals für mich nicht, denn ich sollte „sitzenbleiben“ und mir wurde gedroht, ich käme auf eine „Doofenschule“, wenn ich so weitermachen würde.

Das Wort würde heute zum Glück kein Mensch mehr benutzen und es war damals schon falsch. Ich sollte mich „am Riemen reißen“. Da ich Sprache noch wörtlich nahm und in Bilder übersetzte, war auch die Vorstellung nicht gerade schön.

Ich riss von zu Hause aus und floh zu meinem ostfriesischen Onkel Warfsmann. Es gab gerade Bratkartoffeln mit Spiegelei und Tante Mia schlug für mich noch ein Ei in die Pfanne. Ich erzählte heulend von meinen Schwierigkeiten. Onkel Warfsmann schlug vor, ich solle meiner Lehrerin sagen: „Acht is mehe as Dusend.“

Ich hatte diesen Satz schon mehrfach von ihm in anderen Zusammenhängen gehört.

Tante Mia tadelte ihn: „Kein Wunder, dass der Junge nicht rechnen kann, wenn du ihm solchen Mist beibringst.“

Das sei kein Mist, behauptete er.

Tante Mia tippte sich gegen die Stirn: „Acht ist mehr als Tausend! So ein Quatsch. Wie soll der Junge das denn verstehen?“

Nun, ich stellte mir die Acht einfach viel prächtiger und schöner vor als die Tausend und deswegen war die Tausend neidisch auf die Acht. Die beiden Zahlen hatten kaum eine Chance, Freunde zu werden.

Aber Onkel Warfsmann klärte mich auf. Das sei ostfriesisches Platt und habe nichts mit den Zahlen zu tun. Angeblich bedeutete es, dass Achtsamkeit mehr wert sei als viel Geld.

Mir gefielen seine Weisheiten. Bei ihm fühlte ich mich wohl und von ihm verstanden.

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