Ende September schließt das Emder Impfzentrum in der Nordseehalle. Die beiden Hauptorganisatoren, Impfärztin Cathrin Leuffert und der Hauptberufliche Feuerwehrmann Harald Janssen, ziehen eine Bilanz.
Ende September soll das Impfzentrum schließen. Ist das aus Ihrer Sicht so richtig?
Cathrin Leuffert Inzwischen haben alle, die geimpft werden wollten, ein entsprechendes Impfangebot erhalten. Hier sehe ich die Notwendigkeit für ein Impfzentrum nicht mehr. Ein Löwenanteil der anstehenden dritten Impfungen wird im normalen Betrieb der Haus- und Betriebsärzte ablaufen können. Die Impfungen von Personen in größeren Einrichtungen kann durch mobile Impfteams erfolgen.
Wie sieht die derzeitige Auslastung im Impfzentrum aus?
Harald Janssen Gut. Wir haben in den nächsten Wochen sehr viele Zweitimpfungen, aber auch fortlaufend kleinere Kontingente mit Erstimpfungen. Zudem sind noch einige Sonderimpfaktionen in Planung. Sobald dazu näheres feststeht, gehen wir in die Kommunikation. Die Impftruck-Aktionen in den Stadtteilen haben über 500 Menschen niederschwellig erreicht. Das ist Motivation für uns alle im Impfteam.
Gibt es viele Absagen oder bleiben Impflinge einfach so weg?
Leuffert Dies hält sich im Moment in Grenzen, da auch das Impfen in den Praxen aufgrund von Praxisferien derzeit oft ausfällt oder nach hinten verschoben wird. Ein kleiner Teil erscheint jedoch weiterhin unentschuldigt nicht. Die Quote des Nichterscheinens liegt aktuell bei drei bis vier Prozent.
Wie hoch ist derzeit der Personaleinsatz im Impfzentrum?
Janssen Hier hat sich bisher nichts geändert, das gesamte Personal ist gut ausgelastet, auch wenn einzelne Personen teilweise langsam wieder ihren originären Tätigkeiten nachgehen. Es arbeiten dort etwa 120 Stadtbeschäftigte, die Stundenkontingente für das Impfzentrum haben, 55 ehrenamtliche Helfer und etwa 40 Impfbefähigte der Firma IFAS. Insbesondere die Arbeit der Impfkoordination ist aufgrund von Sonderimpfaktionen und vielen Terminverlegungen nicht weniger geworden.
Das leidige Thema Impfstoffmangel scheint sich erledigt zu haben. Haben Sie jetzt immer genügend Impfstoff zur Verfügung?
Leuffert Ja, seit einigen Wochen ist dies kein Thema mehr. Das Land hat auf ein Bestellsystem umgestellt, sodass wir immer genug anfordern können und dies auch geliefert wird. Das Ende der Mangelverwaltung bedeutet für uns eine deutliche Abnahme von Druck und Belastung.
Gibt es noch Reste, beispielsweise von AstraZeneca, die Sie nicht loswerden?
Leuffert Einen kleinen Teil von AstraZeneca wird weiterhin für Zweitimpfungen verwendet, da dies einige Impflinge wünschen. Der Rest wird demnächst zum Land zurückgegeben. Das sind etwa 1500 Dosen.
Wie werden die freien Impftermine am Freitagnachmittag angenommen?
Leuffert Ganz gut, die Impftermine füllen sich langsam aber stetig. Da wir insbesondere nun auch feste Termine für den Johnson & Johnson Impfstoff anbieten, bemerken wir hier auch einen Anstieg der Nachfrage.
Wie viele unter 18-Jährige machen vom Impfangebot Gebrauch?
Leuffert Rund 370 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren haben ein Impfangebot im Impfzentrum Emden bis zum Donnerstag angenommen. Die Anzahl kann leider nicht exakt ermittelt werden, da die Filterung nur nach dem Alter erfolgen kann. Hierzu ein Beispiel: Haben 17-Jährige in der Zwischenzeit zwischen dem Erstimpfdatum und dem heutigen Stichtag den 18. Geburtstag gefeiert, werden sie nicht mehr in dieser Gruppe gezählt.
Was wird die größte Herausforderung in den nächsten Monaten?
Leuffert Das Erreichen der Herdenimmunität vor dem Anstieg der Infektionen, also der vierten Welle, ist eine Herausforderung, die wir nur alle gemeinsam meistern können. Wir werden unseren Beitrag dazu bestmöglich leisten.
Was hätte seit Januar besser laufen können?
Janssen Viele anfängliche Herausforderungen waren auf den doch sehr lange anhaltenden Impfstoffmangel zurückzuführen. Generell hätten sich jedoch einige Probleme durch mehr Transparenz und bessere Kommunikation unter den einzelnen Akteuren vermeiden lassen können.
