Pilsum - In Pilsum entsteht das dritte große Baugebiet der Gemeinde Krummhörn. Aber welchen Grund gibt es überhaupt, dort wohnen zu wollen? Ein Gespräch mit Pilsums Ortsvorsteher Lutz Gosepath über das aktuelle Bauen in Pilsum und unerwünschte Nebenwirkungen.

Herr Gosepath, warum sollte man in Pilsum leben?

Lutz GosepathWenn man sich in der Krummhörn umguckt, sieht man 19 wunderschöne Dörfer, die alle ihren eigenen Charme haben. Wenn man aber in Pilsum von der Hauptstraße abzweigt und den Weg Richtung Kirche hochläuft, vorbei an den Alleen und dem Glasladen, unserer Kreuzkirche und der Alten Brauerei mit seiner im Frühjahr und Sommer geöffneten Terrasse an der Straße, dann sieht man, dass Pilsum mit den ordentlichen Straßen und der Bebauung ein richtig schöner Ort ist.

Zur Person

Lutz Gosepath (63) ist verheiratet und hat drei Kinder. Zwei Erwachsene und ein Kind aus zweiter Ehe. Er arbeitet als Integrations- und Flüchtlingskoordinator bei der Gemeinde.

Seit 20 Jahren lebt er in der Krummhörn. Zuvor wohnte er in Frankfurt am Main.

Als Ortsvorsteher in Pilsum ist er seit anderthalb Jahren tätig.

Stichwort Bebauung. Das war in Pilsum einige Jahre ein problematisches Thema, weil das große Baugebiet lange auf sich warten ließ und immer noch weniger Aufmerksamkeit auf sich zieht wie die Baugebiete in Pewsum und Greetsiel. Sehen Sie Pilsum da im Schatten der beiden großen Ortschaften?

Ich bin erstmal froh, dass hier im alten Ortskern keine weitere Bebauung stattfindet. Es würde den Charme des Ortes verändern. Das neue Baugebiet in Neu-Ettum hingegen hängt doch in keiner Weise hinter Greetsiel hinterher. Die Lage ist für junge Familien toll, die Preise sind in Ordnung, es ist nur in der Menge etwas kleiner. Aber so groß wie in Greetsiel wollen wir auch gar nicht werden.

Kennen Sie die aktuelle Nachfrage nach einem Bauplatz in Pilsum?

Die ist hoch. Das ist auch kein Wunder. Die Nordrhein-Westfalen, die hier Urlaub machen, kennen kaum Emden. Aber Greetsiel kennt jeder. Wir leben hier im Speckgürtel von Greetsiel. Und wir bieten einige Vorteile gegenüber Greetsiel.

Zum Beispiel?

Nehmen Sie den Ortskern. Der Ortskern von Greetsiel ist schrecklich. Im November kann man da durchgehen und noch einigermaßen atmen. Das geht im Sommer überhaupt nicht.

Spricht man mit Greetsielern, dann gibt es dort durchaus Unzufriedenheit über die Menge der Touristen. Einige überlegen, dort wegzuziehen und sich Richtung Pilsum zu orientieren. Wenn in Pilsum aber die Nachfrage steigt, steigen auch die Preise. Haben Sie die Befürchtung, dass Pilsum durch die direkte Nähe zu Greetsiel teurer werden wird?

Das wäre fatal. Die ländliche Gegend sollte von den Preisen human bleiben, damit junge Familien auch bleiben können. Es darf hier nicht teurer werden.

Den Preis zu halten, funktioniert aber doch nur über ausreichend Bauland. Zukünftiges Bauland in Pilsum wird durch das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises aber ein Problem, weil der Landkreis der Gemeinde da einen Strich durch die Rechnung macht.

Ja, der Landkreis will keine weitere Bebauung. Zu diesem Problem kommt noch die Sorge, dass zu viele Bauplätze an Auswärtige gehen. Wir müssen zuerst an uns selber und an die jungen Menschen denken, die hier bleiben wollen. Ein Wegzug der jungen Leute ist immer schlecht.

Sie haben vorhin erwähnt, dass sich in Pilsum der Ortskern nicht verändern sollte. Dabei meinen Sie vermutlich nicht den einen oder anderen Resthof. Wie sehen Sie die Gulfhof-Debatte?

Wir leben hier in einem umgebauten Gulfhof. Das ist wunderbar. Wenn die Substanz der Gebäude es hergibt, dann müsste mehr getan werden, damit die Gulfhöfe erhalten bleiben. Gulfhöfe machen die Region aus.

Was müsste mehr gemacht werden?

Es müsste mehr Geld zur Verfügung gestellt werden. Und es müsste mehr Bewegung des Denkmalschutzes geben, damit nicht mehr Holzfenster rein müssen, die pro Stück 1000 Euro kosten. Auf der anderen Seite muss man Gulfhöfe, die nicht mehr zu retten sind, leichter abreißen können, damit dort Familienhäuser Platz haben.

Peter Saathoff
Peter Saathoff Emder Zeitung