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Corona-Krise Wirkt Nach Mehr Reha-Patienten dürfen wieder nach Ostfriesland

Norddeich - In der Corona-Krise gerieten vor allem Krankenhäuser und Arztpraxen in den öffentlichen Fokus. Doch was wurde aus Patienten, die nach einer Operation entlassen wurden oder unter chronischen Krankheiten leiden? Reha-Einrichtungen mussten viele Patienten vorzeitig entlassen und geplante Behandlungen absagen. Bernd Hamann, Verwaltungsdirektor der Dr. Becker Klinik in Norddeich, erklärt, welche Folgen die Pandemie für die Einrichtung hat.

Wer durfte seine Reha noch antreten?

In einer Verfügung vom 22. März regelte das Land Niedersachsen auch die Reha-Behandlungen neu. Nur wer eine medizinisch notwendige Anschlussbehandlung benötigte, durfte sich in eine Reha-Einrichtung begeben. Dies ist beispielsweise nach Operationen der Fall. Diese Patienten hat auch die Dr. Becker Klinik in ihrer orthopädischen Abteilung in Norddeich weiter behandelt, wie Verwaltungsdirektor Hamann mitteilt.

Die psychosomatische Abteilung hingegen war zeitweise für Reha-Patienten geschlossen. Dort biete die Klinik in Norddeich nur sogenannte Heilverfahren an, erklärt Hamann. Diese richten sich meist an Menschen mit chronischen Leiden, wie beispielsweise einer Depression. Diese Heilverfahren mussten zunächst eingestellt werden. Deshalb hatte die Klinik zum 25. März alle betroffenen Patienten entlassen. Auch alle ambulanten oder teilstationären Behandlungen wurden abgesagt. Erst seit Ende Mai dürfen nach und nach wieder Patienten für Heilverfahren nach Norddeich reisen.

Welche Folgen hat die Corona-Krise für die Kliniken?

Weil viele Therapien unterbrochen oder abgesagt werden mussten, sank die Belegung in der Dr. Becker Klinik laut Verwaltungsdirektor Hamann im April auf 11 Prozent. Normalerweise habe man eine fast vollständige Auslastung der Betten und eine lange Warteliste, erläutert Hamann. In der zweiten Mai-Hälfte sei die Belegung wieder auf knapp 20 Prozent gestiegen. Allerdings rechne man auch in den kommenden Monaten mit deutlich weniger Behandlungen.

Die Zahlen aus Norddeich decken sich mit der bundesweiten Entwicklung. So verzeichnete die Deutsche Rentenversicherung für die Monate Januar und Februar noch etwas mehr Anträge auf eine medizinische Reha als im Vorjahr. Im März erreichten die gesetzliche Rentenversicherung knapp 14 Prozent weniger Anträge als im vergangenen Jahr. Im Mai sank die Zahl um rund 41 Prozent.

Bernd Hamann, Verwaltungsdirektor der Dr. Becker Klinik in Norddeich (Bild: Dr. Becker Kliniken)

Bernd Hamann, Verwaltungsdirektor der Dr. Becker Klinik in Norddeich (Bild: Dr. Becker Kliniken)

Die geringe Auslastung ist nicht das einzige Problem, vor dem die Kliniken stehen. Sie arbeiten mit einem erheblichen Mehraufwand, erklärt Hamann. Zudem seien gerade im April die Preise für Schutzkleidung und Desinfektionsmittel enorm gestiegen. Eine deutliche Entspannung der Märkte sei auch in den kommenden Monaten nicht in Sicht.

Die Dr. Becker Klinik in Norddeich stelle sich deshalb wie die gesamte Unternehmensgruppe auf deutliche Umsatzverluste ein – bei gleichzeitig steigenden Kosten. „Die Pandemie hat in den vergangenen Monaten bereits drastische Spuren in wirtschaftlicher Hinsicht hinterlassen“, teilt Hamann mit. Immerhin: Dank der Schutzschirme der Bundesregierung sorge man sich nicht um den Bestand des Unternehmens.

Wie geht es für die Reha-Einrichtungen weiter?

Zwar können zwischenzeitlich wieder Heilverfahren angeboten werden. Auch die Nachfrage von Patienten steige stark. „Jetzt geht es langsam bergauf“, sagt Verwaltungsdirektor Hamann. „Doch zu einer Vollbelegung können wir bis auf Weiteres noch nicht zurückkehren.“ Das hänge vor allem mit dem Sicherheitskonzept zusammen, das die Unternehmensgruppe mit dem Deutschen Beratungszentrum für Hygiene ausgearbeitet hat.

Das Konzept basiert auf vier Säulen. Zum einen teste die Klinik alle Patienten vor der Aufnahme auf das neuartige Virus, teilt der Verwaltungsdirektor mit. Die Patienten nehmen außerdem an einer verpflichtenden Hygieneschulung teil. Standardmäßig seien sie während der gesamten Reha in Einzelzimmern untergebracht. Nicht zuletzt gelten für jeden Standort der Klinik-Gruppe individuelle Regeln. So hat die Klinikleitung in Norddeich beispielsweise die Essenszeiten ausgeweitet, es gibt keine Selbstbedienung am Buffet mehr. Bereits vor Wochen habe man außerdem den Bestand an Schutzausrüstung, Hygienemitteln und Medikamenten erhöht, um Lieferengpässe zu umgehen.

Auch bei den Behandlungen selbst müssen sich Patienten auf Änderungen einstellen. „Natürlich läuft die Reha bis auf Weiteres anders ab als noch vor der Pandemie“, heißt es in einer Pressemitteilung der Klinik. Die Therapien würden aber nichts von ihrer Wirkung einbüßen. „Im Gegenteil – teilweise können die Patienten sogar von den kleineren Gruppen profitieren“, wird Hamann zitiert.

Svenja Fleig
Svenja Fleig Thementeam Wirtschaft
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