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Kirchengemeinde Uplengen-Remels Digitaler Gottesdienst mit Geblöke

Tobias Göttler

Remels - Gottesdienst an ungewöhnlichen Orten: Die Begrüßung der Gemeinde vor statt in der Sankt Martins-Kirche, eine Lesung am Deich mit Schafen im Hintergrund, eine Predigt auf dem Friedhof. So oder so ähnlich gestalten sich wegen Corona zurzeit die Gottesdienste in der ostfriesischen Gemeinde Remels. Und die Kirchenmitglieder verfolgen die Bilder - per Livestream über die Homepage der Kirche und über Youtube.

Seit 31 Jahren ist Marion Steinhorst-Coordes in ihrer Gemeinde für den Pfarrbezirk West verantwortlich. „Ich kenne hier fast jeden Menschen persönlich“, sagt die 60-Jährige. Ihr fehle in diesen Zeiten der Kontakt und die Nähe zu den Menschen. „Wir sind eine Gemeinde, in der man sich in den Arm nimmt.“ Tobias Kirschstein ist erst seit gut zwei Wochen in Remels. Der 32-jährige Pastor kümmert sich um den Pfarrbezirk Ost. Er hat in kurzer Zeit die Digitalisierung vorangetrieben. „Dazu waren wir durch die Corona-Krise auch gezwungen“, sagt er.

Digitale Gottesdienste

Die beiden Pastoren der evangelisch-lutherischen Gemeinde feiern ihre Gottesdienste nun also via Internet. Das Ergebnis ist ein Erfolg, finden sie. „Vor Corona sind etwa 100 Menschen in unseren Gottesdienst gekommen“, sagt Steinhorst-Coordes. Aktuell werden die Aufzeichnungen am Sonntagvormittag etwa 150-mal angeklickt, in den darauffolgenden Tagen haben die Zugriffszahlen schon die Marke von 700 übertroffen.

„Wir können die Gottesdienste jetzt viel kreativer gestalten“, sagt die Pastorin.“ Das sei zwar mit viel Aufwand verbunden, mache es für die Zuschauer aber spannender. Den Aufwand erklärt ihr Kollege: „Der Gottesdienst muss geplant, die Predigt geschrieben und das Video gedreht werden.“ Das könne schon bis zu 20 Stunden dauern, sagt Kirschstein. Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter schneide das Videomaterial schließlich zusammen. „Ich werde im Dorf oft von Menschen darauf angesprochen“, sagt Steinhorst-Coordes, „von Menschen, die wir sonst nicht in der Kirche sehen.“

Analoge Angebote

Es gibt aber auch analoge Angebote. Vor der Kirche ist eine Wäscheleine gespannt worden. „Hier hängen ’Gute Worte aus der Tüte’. Das sind Andachten, die man sich mitnehmen kann“, sagt die 60-Jährige. Älteren Menschen würden auch CD’s mit Predigten nach Hause gebracht werden.

Trauergespräche vor Beerdigungen werden zurzeit am Telefon geführt. „Das ist besonders schwierig, wenn man die Familien nicht persönlich kennt“, sagt Kirschstein. Und nur zehn Personen dürfen bei Beerdigungen dabei sein. „Da wird ein geliebter Mensch zu Grabe getragen und die Angehörigen dürfen nicht in die Kapelle und müssen draußen im Regen stehen“, sagt Steinhorst-Coordes. Das sei eine schwierige Situation für die Betroffenen, sagt sie.

Keine plausible Antwort

Mit der Frage, warum Gott dieses Virus zulässt, wurden die Pastoren noch nicht konfrontiert. „Es würde auch keine plausible Antwort geben“, gibt der 32-Jährige offen zu, „das passt nicht zusammen: der gute Gott und die Existenz von Leid.“ Es sei aber auch naiv, zu glauben, dass Gott immer barmherzig ist, ergänzt Steinhorst-Coordes.

Die positiven Rückmeldungen aus der Gemeinde werden die beiden Pastoren mitnehmen. In die Zeit nach Corona. „Wir werden eine Umfrage starten“, kündigt Kirschstein an, „in dieser sollen die Mitglieder äußern können, welche neuen Formate ihnen am besten gefallen haben.“ Die Kirchengemeinde zählt 5100 Mitglieder.

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