Suurhusen - Die Suurhuser Rentnergang ist eine Gruppe von elf Männern, die sich ehrenamtlich darum kümmern, dass ihr Dorf schön bleibt. Einer ihrer intensivsten Einsatzorte ist das Umfeld des Schiefen Kirchturms, mit dem der Ort in Tourismusführern auftaucht. Daher bekommen sie mit, was wirklich in der Straße Am schiefen Turm geschieht, die mit dem Wunsch nach einer Querungshilfe diskutiert wird. „Hier steppt manchmal der Bär“, lacht Eberhard Menzel, ein Mitglied der Rentnergang.
Das bestätigt auch sein Kollege Hans Sikora, der am Eingang gerade das Blumenbeet harkt, das die touristischen Besucher begrüßt. „Hier kommt alles!“, erzählt der 75-Jährige. In der Urlaubssaison knäulen sich die Autos auf der engen Straße vor dem Eingang. Neun Parkplätze gibt es dort, aber die reichen schon lange nicht mehr. Deshalb hat die Gemeinde einen zweiten Platz ein paar Meter entfernt eingerichtet, der auch noch vergrößert werden soll. Der Blick auf die Autokennzeichen verrät: „Die Leute kommen von überall in Deutschland und auch aus dem Ausland.“ Die Erklärungstafel am Eingang hat die Rentnergang denn auch gleich zweisprachig angelegt. Auch viele Einwohner Suurhusens nutzen die Straße auf dem Weg zur Bundesstraße 210.
Urlaubsgäste kämen als Besucher auch viel mit Bussen, die sich durch die verengte Straße mühen und mitunter beim Parken zu Hindernissen werden. Wie zur Bestätigung hält ein Reisebus knapp 100 Meter entfernt und entlässt eine Gruppe Senioren, die zielstrebig den Schiefen Turm ansteuern. Sie kommen aus Tauberbischofsheim. „Das ist nur ein Fotostopp“, erklärt die Reiseführerin, weshalb die Gruppe von keinem Kirchenführer erwartet wird. Das große Gefährt steht derweil in der Einfahrt des Nachbargrundstücks. Gut fünf Stück davon kommen in der Saison am Tag. Zu ihnen gesellen sich Linienbusse und im Sommer auch riesige landwirtschaftliche Maschinen. Autos, Busse, Traktoren: Alle zusammen ergeben genügend Straßenverkehr, dass Hans Sikora die Straße nur mit Schutzmaßnahme fegt: „Da trage ich eine gelbe Weste.“ Die könnten auch viele Rentner tragen, die Am Schiefen Turm ihren Rollator schieben, weil sie den abschüssigen Gehweg meiden.
Etwa 200 Meter entfernt liegt die Stelle, um die es eigentlich geht: der Übergang zu den Bushaltestellen. Dort möchten Suurhuser und die Gemeinde eine sicherere Querung für Kinder einrichten, doch der Kreis lehnte nach einer Verkehrszählung ab. 900 Autos am Tag seien zu wenig. Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) möchte jedoch neuere Daten haben, denn die Zählung fand in der Coronakrise statt: „Da war einfach weniger Verkehr.“
