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Tafeln in Ostfriesland Mehr Bedürftige, aber weniger Spenden

Die Tafeln in Ostfriesland: Noch haben sie genügend Lebensmittel, doch an manchen Standorten nehmen die Kunden massiv zu.

Die Tafeln in Ostfriesland: Noch haben sie genügend Lebensmittel, doch an manchen Standorten nehmen die Kunden massiv zu.

dpa-Symbolbild

Ostfriesland - Es ist 10 Uhr am Freitagvormittag. Andreas Poppen hat einen Moment Zeit, mit uns zu sprechen, dann muss er weiterarbeiten. Schließlich hat er als Verantwortlicher für die Tafel in Leer ebenso wie das gesamte ehrenamtliche Team alle Hände voll zu tun. Und die Arbeit wird mehr, jeden Ausgabetag kommen aktuell im Schnitt drei neue Familien zur Kundenkartei dazu. „Das macht 15 in der Woche“, sagt er. „Sie können sich da selbst ausrechnen, wie es sich entwickelt.“

Mehr Kunden in Leer

250 bis 300 Kunden nutzen in der Ledastadt regelmäßig die Lebensmittel-Ausgabe, darunter mittlerweile neun ukrainische Familien. Weitere 73 Kunden werden in der Zweigstelle in der Samtgemeinde Hesel versorgt, darunter zehn Familien aus der Ukraine. Doch der Kundenstamm wächst nicht erst oder nur durch die Schutzsuchenden. Schon während der Pandemie wurden es mehr, weiß Andreas Poppen zu berichten. Die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise würden sich sicher auch auswirken.

Gleichzeitig sind die Lebensmittelspenden weniger geworden, die Supermärkte würden aktuell etwas anders kalkulieren, führt Andreas Poppen aus. Doch es sei noch immer genug, damit alle Kunden versorgt werden können – wenn auch nicht mehr wöchentlich. Anfang April wurde auf einen 14-Tage-Rhythmus umgestellt. Sollten die Lebensmittel knapper und die Kunden mehr werden, könnte wie während der Flüchtlingswelle in 2015 auf einen monatlichen Rhythmus umgestellt werden. „Doch aktuell bekommen wir die Tüten noch voll“, sagt er.

Die Tafeln

Die Tafeln in Ostfriesland gehören zum Verbund der Tafeln in Deutschland, einer gemeinnützigen Hilfsorganisation, die Lebensmittel, die nicht mehr verkauft und ansonsten vernichtet werden würden, an Bedürftige verteilt oder gegen einen geringen Obolus abgibt. Deutschlandweit gibt es mehr als 960 Tafeln, die pro Jahr somit nicht nur mehr als 1,6 Millionen von Familien, Singles oder Rentner unterstützt, sondern auch in Summe mehr als 260 000 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung rettet. Die Arbeit läuft ehrenamtlich, die Tafeln finanzieren sich über Spenden sowie Zuwendungen durch ihre Träger. Im Falle der Tafeln in Aurich, Norden und Leer ist das die Diakonie. Informationen zu den Tafeln vor Ort finden Interessierte auf diakonieaurich.de/home/tafel, auf diakonie-in-ostfriesland.de/leeraner-tafel sowie unter diakonie-norden.de.

Situation in Aurich

In Aurich sind die Kundenströme etwas anders gelagert. Ernst Kuntner, der seit 14 Jahren ehrenamtlich bei der Tafel aktiv ist, weiß aus Erfahrung: Am Monatsanfang kommen etwas weniger Kunden, am Monatsende wieder mehr. Ob es durch den Krieg mehr wurden? „Jein“, sagt er.

Seit Kriegsbeginn sind aber auch hier die Waren weniger geworden. „Ob der Krieg eine Rolle spielt, weiß ich aber nicht“, sagt Tafel-Leiter Kuntner. Betroffen seien vor allem Kühlwaren wie zum Beispiel Joghurt und Obst.

„Die Leute, die zu uns kommen, bekommen aber genug. Am Ende des Tages wollen wir den Menschen nur Helfen, und sie sind gut bei uns aufgehoben“, sagt er. Und sollte sich die Situation zuspitzen, so wird im Gespräch mit ihm deutlich, kann das erfahrene Team auch das stemmen. Sie seien alle lang genug dabei, um mit der Situation zurechtzukommen.

Kein Mangel in Norden

Die Tafel in Norden kann sich aktuell nicht über einen Mangel an Lebensmitteln beklagen. „Wir bekommen wunderbarerweise auch jetzt viele private Spenden“, erläuterte Sozialarbeiterin Jane Hruska vom direkt angeschlossenen Tagesaufenthalt der Diakonie – eine Besonderheit des Standortes Norden, die auch dem Tafel-Angebot zugutekommt: „Viele Leute fragen uns direkt, was die Wohnungslosen brauchen können, und da sind auch immer Lebensmittel dabei.“

Spendenrückgänge aufgrund des Ukraine-Krieges werden aktuell noch nicht bemerkt. „Es war im vergangenen Jahr wohl etwas mehr als jetzt, aber wir bekommen immer noch viel, weil die Supermärkte zu den Osterfeiertagen mehr kaufen und dann auch mehr übrig bleibt“, so Hruska.

Und auch die Zahl der Ukraine-Flüchtlinge vor Ort ist gering, denn diese werden in der Unterkunft im Ortsteil Utlandshörn direkt vom Landkreis Aurich beziehungsweise der Kreisvolkshochschule versorgt.

Pia Miranda
Pia Miranda Redaktion Wittmund
Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord
Arne Haschen
Arne Haschen Digitalteam Wesermarsch
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