Langeoog - Die Sorge vor einem Corona-Ausbruch führte zur Entscheidung, die Zahl der Tagestouristen auf Langeoog zu begrenzen. Ab 6. Juli sind 600 erlaubt. Die Begrenzung ist für alle schmerzhaft, denn der Insel entgehen Einnahmen in Millionenhöhe.

Nur mit Mundschutz: Gäste werden auf Fähre angehalten, auch im Freien Masken zu tragen. Foto: Torsten von Reeken

Nur mit Mundschutz: Gäste werden auf Fähre angehalten, auch im Freien Masken zu tragen. Foto: Torsten von Reeken

Bei der Arbeit: Michael Recktenwald öffnet sein Restaurant  „Seekrug“ abends. Foto: Torsten von Reeken

Bei der Arbeit: Michael Recktenwald öffnet sein Restaurant „Seekrug“ abends. Foto: Torsten von Reeken

Will Langeoog vor dem Virus schützen: Bürgermeisterin Heike Horn. Foto: Torsten von Reeken

Will Langeoog vor dem Virus schützen: Bürgermeisterin Heike Horn. Foto: Torsten von Reeken

Daher will Langeoog die Saison in diesem Jahr in den Herbst verlängern. „Die Planungen mit unseren Dienstleistern laufen“, sagt Bürgermeisterin Heike Horn. Denkbar seien zum Beispiel Wattwanderungen in Verbindung mit einer zünftigen Mahlzeit, Weinverköstigungen („wine and dine“), Goldschmiedekurse und die gläserne Backstube. „Die Langeooger sind da sehr kreativ.“ Die Gastronomie könnte ihre Betriebsferien nach hinten verschieben. Die Nachfrage außerhalb der Hauptsaison ziehe ohnehin seit längerem an, „das ist ein Trend“. Nach dem Katastrophen-Start in die diesjährige Saison sieht die Tourismusbranche auf der Insel hier einen Funken Hoffnung.

Und es gibt positive Entwicklungen: Die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung hat Langeoog als erste Nordseeinsel für gute Wasserqualität und Umweltschutz ausgezeichnet. Nach der Auszeichnung als erste Fair-Trade-Insel bundesweit geht Langeoog zudem beim Thema Nachhaltigkeit erneut voran.

Dickes Ding: 700 000 Kubikmeter Sand werden durch Rohre auf den Strand gepumpt. Foto: Torsten von Reeken

Dickes Ding: 700 000 Kubikmeter Sand werden durch Rohre auf den Strand gepumpt. Foto: Torsten von Reeken

Das ist die Insel Langeoog

Langeoog, die drittgrößte der sieben ostfriesischen Inseln, ist vier Kilometer lang und zwischen 1,3 und 3,5 Kilometer breit.

Die Insel ist tideunabhängig vom Hafen Bensersiel erreichbar. Die Fahrt mit der Fähre dauert etwa eine Stunde.

Der Tagestourismus auf Langeoog ist bis auf weiteres eingeschränkt. Ab 6. Juli steigt die Zahl der maximalen Tagesgäste von 600 auf 800. Online-Reservierungen sind bislang nicht möglich, sind aber geplant. Tagestickets können im Fährhaus Bensersiel erworben werden.

Große Aufmerksamkeit zieht die gewaltige Sandaufspülung auf Langeoog auf sich. Seit Mitte Juli sind die Leitungen einsatzbereit. Bis September werden 700 000 Kubikmeter Sand auf den Strandabschnitt Pirolatal gepumpt. Um den Strandbetrieb nicht zu stören, verlaufen die Rohre unter dem Sand.

Zur neuen Attraktion entwickelt sich die Alpaka-Herde auf Langeoog. Die zierlichen Tiere mit den freundlichen Gesichtern sind nicht nur ein Blickfang für Spaziergänger und Radfahrer. Urte Sjuts bietet seit diesem Jahr Schnupperkurse für Jugendliche und Erwachsene an. „Alpakas eignen sich durch ihr ruhiges Wesen für Teambuilding und Coaching“, sagt die 36-Jährige.

Bitte recht freundlich: Die Alpakas auf der Insel sind neugierig, liebevoll und für therapeutisches Arbeiten gut geeignet. Foto: Torsten von Reeken

Bitte recht freundlich: Die Alpakas auf der Insel sind neugierig, liebevoll und für therapeutisches Arbeiten gut geeignet. Foto: Torsten von Reeken

Die Tiere kommen von Gut Aldenhövel bei Münster und verbringen seit einigen Jahren den Sommer auf der Insel. „Die Luft und die Umgebung tut den Tieren nicht nur gut, sondern ist auch positiv für die Qualität der Wolle“, sagt Urte Sjuts. Wer durch die Beschäftigung mit den Tieren auf den Geschmack gekommen ist, kann in einem Laden unter zahlreichen Produkten aus Alpaka-Wolle auswählen.

Nicht neu, aber ungebrochen ist die Anziehungskraft von Lale Andersen. Die 1972 in Langeoog beigesetzte Sängerin und Schauspielerin ist durch das 1939 entstandene Lied „Lili Marleen“ weltberühmt geworden und hat bis heute Fans und Verehrer. „Das Lale-Erinnern auf der Insel ist in den vergangenen Jahren noch stärker kommerzialisiert worden“, sagt Mathias Deinert vom Potsdamer Lale-Andersen-Archiv. Neben dem Grab auf dem Dünenfriedhof und einer Statue zu Lale Andersens 100. Geburtstag erinnert das Heimatmuseum mit einem Lale-Raum an die Künstlerin. Der Inselbäcker verkauft eine „Süße Lale“, ein Gebäck, das bei vielen Urlaubern hoch im Kurs steht.

Zusatzkontrolle: Passagiere müssen sich vor der Abfahrt der Fähre registrieren lassen. Foto: Torsten von Reeken

Zusatzkontrolle: Passagiere müssen sich vor der Abfahrt der Fähre registrieren lassen. Foto: Torsten von Reeken

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)