Emden - Fast sechs Jahre nachdem Anwohner der Petkumer Straße einen Zebrastreifen oder eine Ampel gefordert haben und nach fast ebenso langer Diskussion zwischen Rat und Verwaltung (wir berichteten) soll nun im Herbst dieses Jahres an der Zufahrt Am Südbahnhof tatsächlich eine neue, hochmoderne Lichtzeichenanlage installiert werden. Angepeilt ist dafür das vierte Quartal. Die neue Anlage hat dann mit dem ursprünglichen Wunsch der Anwohner allerdings nur noch wenig gemein: Statt einer Bedarfsampel für Fußgänger wird nun eine Anlage aufgebaut, die den fließenden Verkehr auf der viel befahrenden Petkumer Straße mit der Zufahrt zum neuen Wohnquartier Neuer Delft sowie den beiden großen Supermärkten Aldi und Edeka mit Hilfe von drei Kameras nach dem jeweiligen Verkehrsaufkommen koordinieren soll. Kostenpunkt: rund 91 000 Euro. Zumindest müsse so keine Kontaktschleifen in die Fahrbahn gelegt werden.
„Der Verkehr hat in den vergangenen Jahren an diesem Abschnitt deutlich zugenommen“, sagte der Betriebsleiter des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden, Nils Andersson. Dazu beigetragen hätten nicht nur die beiden neuen Supermärkte, sondern auch das Wohngebiet dahinter. Damit sei die Zufahrt zwischen Petkumer Straße und der Straße Am Südbahnhof nicht nur für Autofahrer schwieriger, sondern auch für Radfahrer und Fußgänger unübersichtlicher geworden.
Das hat zuletzt auch die Diskussionsgrundlage maßgeblich verändert. Nachdem Anwohner 2016 eine sichere Fußgänger-Überquerung gefordert hatte, um sich und ihre Kinder zu schützen, war dies von der Verwaltung zunächst mit Hinweis auf die beiden bereits bestehenden, nur wenige hundert Meter entfernten Ampeln an der Friedrich-Ebert-Straße und nahe der Autobahnauffahrt aus rechtlichen Gründen abgelehnt worden. Eine Mehrheit im Rat setzt sich dennoch über diese Bedenken hinweg und stimmte für eine Ampel.
Das wiederum veranlasste den damaligen Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) zu einer eher ungewöhnlichen Maßnahme: Er legte sein Veto ein. Er stützte sich dabei nicht nur auf die Vorgaben der Aufsichtsbehörden des Landes, sondern auch auf die Emder Verkehrskonferenz, in der unter anderem auch die Polizei vertreten ist. Ihr Urteil: Die Zahl der Fußgänger, die die Petkumer Straße in diesem Abschnitt überqueren, ist nicht ausreichend, um eine teure Ampel anzuschaffen, die dann auch noch den fließenden Verkehr stört.
Die FDP brachte das Thema Anfang des vergangenen Jahres erneut in die Diskussion. Daraufhin gab die Verwaltung - jetzt unter der Führung von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) – ein Gutachten in Auftrag, das nun auch das erhöhte Verkehrsaufkommen berücksichtigte. Am Ende stehen nun für dieses Jahr 125 000 Euro für das Ampel-Projekt im Budget der Stadt. 92 000 für die Ampel, der Rest für das Gutachten und die spätere Anbindung an den großen Verkehrsrechner.
Die Errichtung der Ampel durch die Firma Siemens wird nach Schätzung des BEE etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen. Die Fahrbahndecke soll dafür nicht aufgerissen werden müssen. Es wird dann die etwa 50. Ampel im Emder Stadtgebiet sein.
