Aurich/Leer/Wittmund - Ein Expertenrat der Bundesregierung hat über eine Verkürzung der Quarantänezeit beraten. Immunologen halten ein Freitesten nach fünf bis sieben Tagen inzwischen für sinnvoll, da die neue Virus-Variante Omikron einen milderen Verlauf aufweisen soll. Die Verkürzung der Quarantäne soll in erster Linie Personen in Berufen wichtiger Versorgungsbereiche nutzen. Zu diesen zählen vor allem Pfleger, Ärzte, Rettungsdienste, Polizisten und Feuerwehrleute. Experten befürchten zu viele Personalausfälle durch die fünfte Welle und damit ein Zusammenbrechen dieser Bereiche.
Johannes Booken, Sprecher der Trägergesellschaft der Kliniken in Aurich, Emden und Norden, sieht die Verkürzung der Quarantäne kritisch: „Ein Einsatz von infizierten symptomlosen Mitarbeitern in Krankenhäusern ist ein hohes Risiko“, stellt er klar.
Außerdem hält er es für widersprüchlich, die Mitarbeiter mit hohem Infektionsschutz zu beauftragen und dann solche, die infektiös sind, im Krankenhaus rumlaufen zu lassen. Booken fordert deshalb deutlich mehr valide Daten zur neuen Omikron-Variante, um ein frühzeitiges Freitesten ohne Gefahr für Patienten oder andere Mitarbeiter genehmigen zu lassen.
Eine Pauschalisierung wird abgelehnt
Dieter Brünink, Geschäftsführer des Borromäus Hospitals in Leer, erklärte: „Ich kann mich der Stellungnahme von Herrn Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, nur anschließen. Bei der Frage nach der Verkürzung der Quarantänezeiten muss zwischen nachweislich Infizierten und reinen Kontaktpersonen unterschieden werden. Es ist eine angepasste Quarantäne-Regel für Kontaktpersonen notwendig.“
Weiter erklärte er: „Bei nachweislich Infizierten ist eine genaue Prüfung erforderlich, eine Pauschalisierung und allgemeingültige Verkürzung ist abzulehnen.“
Kein Restrisiko ignorieren
Ralf Benninghoff, Geschäftsführer des Krankenhaus Wittmund, würde eine verkürzte Quarantänezeit für sein Personal prinzipiell begrüßen: „Wenn die Experten sich sicher sind, dass das ohne Risiko möglich ist, kann ich das nur befürworten. Es darf aber kein Restrisiko für eine Infektion geben.“
Da die Infektionszahlen im Kreisgebiet aktuell eher niedrig seien und das Personal im Krankenhaus fast vollständig geimpft sei, schätzt er die Situation momentan nicht als kritisch ein. „Natürlich ist eine kürzere Quarantänezeit eine Entlastung für das Personal, aber wir arbeiten sowieso immer mit Plänen, um eine gute Versorgung der Patienten zu gewährleisten.“
Carl-Heinz Arends, Geschäftsführer des Rettungsdienstes des Landkreises Aurich, vertraut auf die Entscheidung der Politiker und Immunologen: „Ich hoffe, dass die Variante nicht so schlimm ist. Dann würden wir natürlich von einer Verkürzung der Quarantäne profitieren und könnten Mitarbeiter so eher entlasten.“
An oberster Stelle steht für ihn aber die Sicherheit der Patienten und der Bevölkerung. Er vertraut dennoch darauf, dass dies von den Immunologen berücksichtigt wird. Die hohen Infektionsschutzmaßnahmen im Rettungswagen würden in jedem Fall beibehalten.


