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Landwirtschaft in Ostfriesland Weizen statt Kuhweide für den Klimaschutz? Warum das hier nicht geht

Weniger Kuhweiden, mehr Weizenfelder? Für ostfriesische Landwirte ist das aus verschiedenen Gründen keine realistische Option – und für die Umwelt auch nicht.

Weniger Kuhweiden, mehr Weizenfelder? Für ostfriesische Landwirte ist das aus verschiedenen Gründen keine realistische Option – und für die Umwelt auch nicht.

dpa

Ostfriesland - Massentierhaltung ist schlecht, Rinder rülpsen zu viel Methangas aus und der heutige Fleischkonsum ist auch zu hoch – lassen sich die Weiden am Ende nicht besser nutzen? Zwischen belegbaren und gefühlten Problemen rund um landwirtschaftliche Nutztierhaltung kommt immer wieder der Wunsch oder die Forderung auf, dass Bauern den Kuhstall einmotten und auf Ackerbau setzen sollen. „Warum wird nicht mehr Weizen angebaut, angesichts des Klimawandels und der Lieferprobleme seit Beginn des Ukraine-Kriegs?“ ist eine Leserfrage, die unsere Redaktion bis heute vielfach erreicht hat. Dass die Antwort negativ ausfällt, hat aber andere Gründe als einen Unmut seitens der Landwirte.

Wie viel muss ein Bauer pro Glas Milch am Ende haben, damit sich der Hof trägt? Für Peter Habbena aus der Krummhörn sind es aktuell rund zehn Cent.

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Weniger Höfe und am Ende weniger Tiere

Der allgemeine Trend, sowohl auf Bundesebene als auch in Ostfriesland, ist seit Jahren schon einer hin zu weniger Tieren. „Die Zahl der Betriebe in der Region geht immer weiter zurück, weshalb auch die Anzahl von Nutztieren sinkt“, erklärte Landvolkspräsident Manfred Tannen jüngst in einem Gespräch. Der seit langem andauernde Konzentrationsprozess führe zwar dazu, dass Höfe heute immer größer werden – teilweise „dazu verdammt sind“, um wirtschaftlich zu bleiben –, vor allem im Bereich der Rinderhaltung gibt es aber immer weniger Tiere. Die Gründe sind vielschichtig, spiegeln am Ende aber auch den Verbraucherwunsch wider, so Tannen.

Grünland darf nicht umgebrochen werden

Weniger Höfe und Rinder

In Niedersachsen gibt es seit Jahrzehnten ein Höfesterben. Zwischen 2010 und 2020 wurden nach Auskunft des Statistischen Bundesamts 6200 Höfe aufgegeben – ein Minus von 15 Prozent. Die durchschnittliche Betriebsgröße wuchs im Gegensatz von 62 auf nunmehr 72 Hektar Land.

Die in Ostfriesland dominierende Rinderhaltung ging im gleichen Zeitraum deutlich zurück – um 22 Prozent, wie das Landesamt für Statistik mitteilt. Das ist aber nur das Mittel, da beispielsweise die Zahl der Milchviehhalter sogar um 41,8 Prozent gesunken ist. Landesweit werden heute rund 100.000 Rinder weniger gehalten.

Die Herdengröße pro milcherzeugendem Betrieb wuchs demgegenüber: Von 58 Kühen pro Hof in 2010 auf 105 Tiere in 2020. Der Bundesdurchschnitt lag im selben Jahr bei 72 Milchkühen.

Eine leere Kuhweide in Ostfriesland darf aber nicht einfach so in einen Acker umgewandelt werden, ein Landwirt darf seine Flächen nicht einmal nach Gutdünken pflügen: Niedersachsenweit dürfen Bauern Grünland nur dann als Acker nutzen, wenn sie eine Ausgleichsfläche gleicher Größe bereitstellen und das alles am Ende auch genehmigt bekommen. „Wobei es unabhängig davon in Landschaftsschutzgebieten eh nicht erlaubt ist, Grünland umzubrechen, egal wann“, betonte Maren Ziegler vom Landvolk auf Nachfrage. Die aktuelle Fassung der GAP-Regeln (Gemeinsame Agrarpolitik) fokussiert sich auch darauf, vorhandene Weiden zu erhalten, anstatt sie intensiver zu nutzen. Landwirte haben dazu eine Palette an freiwilligen Optionen, die sie sich vergüten lassen können – nichts davon sorgt aber dafür, dass Gras durch Brotgetreide oder Gemüse abgelöst wird.

Frauke Onken aus Etzel musste Fingerspitzengefühl beweisen, als sie ihrer Testkuh das Melkgeschirr anlegen musste.

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Weizen landet nur vereinzelt im Brot

Das würde sich, unabhängig von allen anderen Faktoren, auch gar nicht überall in Ostfriesland lohnen: Winterweizen kann zwar vielerorts auch in Sichtweite zum Deich angebaut werden, im Bäckerbrötchen landet das am Ende jedoch nur im Einzelfall. Denn die Eiweißqualitäten des Korns müssen sehr hohe Maßstäbe erfüllen, um am Ende einen Abnehmer für das Mehl zu finden – weshalb es dann „nur“ als Viehfutter genutzt wird. Weil dadurch weniger Kraftfutter vom Landwirt benötigt wird, schont das am Ende zwar auch das Klima, doch die kriegsbedingten Lieferengpässe im Lebensmittelbereich wird das nie ausgleichen können.

Kühe fördern die regionale Biodiversität

Und dann ist da noch der Umweltschutz. Unbestritten ist, dass gerade Rinder durch ihren Methanausstoß einen erheblichen Beitrag zum Klimawandel leisten – eine grüne Weide bindet jedoch deutlich mehr Methan und CO 2 als ein nackter Acker. Je nasser der Boden, umso besser werden diese Kapazitäten. Die Ökobilanz von Nutztieren ist derweil aber mehr als die Emission von Klimagasen: Wie der Nabu Ostfriesland bestätigt, leisten Ausscheidungen und der Abfraß von Pflanzen einen wichtigen Beitrag zur regionalen Biodiversität – auf vielen Ausgleichsflächen, die sich selbst überlassen werden, passiert in Sachen Natur wenig bis gar nichts, das Vögeln oder Insekten hilft. Die Kuhweide gehört deshalb ins Bild einer nachhaltigen ostfriesischen Landschaft.

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