Wiesmoor - Mit Trikot und Fanschal ausgerüstet den Lieblingsverein unterstützen und im Stadion ein „kühles Blondes“ zischen – das ist für viele Fußballfans die Lieblingsbeschäftigung an Bundesliga-Spieltagen. Doch Corona erfordert Geisterspiele, die Fußballstadien bleiben leer. Die Mitglieder des Werder-Fanclubs „Gröön un Witt“ aus Wiesmoor möchten sich das liebgewonnene Ritual aber nicht nehmen lassen und haben sich etwas einfallen lassen: das „virtuelle Stadion-Bier“.
Der Fanclub wurde 2017 von Eike Lawatsch und Thomas Wright gegründet. Er ist kein eingetragener Verein. Daher nennen sich die Gründer spaßeshalber auch Präsidenten. Aktuell hat der Verein 90 Mitglieder. Mehr als 100 sollen es nicht werden.
50 Prozent der Mitglieder des Clubs sind Frauen. Gerade sie legen großen Wert auf die familiäre Atmosphäre und die Geselligkeit. Bei Auswärtstouren sitzen die Frauen gerne hinten im Bus. „Weil dort die Coolen sitzen“, sagt Patricia Kleen mit einem Augenzwinkern.
Das Clubheim steht bei Thomas Wright zuhause. Dort können, wenn die Corona-Krise überwunden ist, wieder knapp 20 Personen gemeinsam Fußball gucken. Die jährliche Mitgliederversammlung findet in einem Gastronomie-Betrieb statt.
Was das bedeutet und wie diese Idee umgesetzt werden soll, erklären die beiden selbst ernannten „Präsidenten“ der „Grün-Weißen“: Eike Lawatsch und Thomas Wright. „Als wir gehört haben, dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden soll, haben wir uns gedacht, dass es doch charmant wäre, wenn wir als Club zusammen gucken könnten“, sagt Lawatsch. Das Problem: Bis zum 5. Juni gilt weiter die Kontaktbeschränkung. Es dürfen sich nur Angehörige aus zwei Haushalten persönlich treffen.
Videochat der Werder-Fans
Wenig überraschend: Die aktuell 90 Clubmitglieder von „Gröön un Witt“ verteilen sich auf einige Haushalte mehr. Eine andere Lösung musste her. „Wir haben uns überlegt, dass wir 30 Minuten vor dem Anpfiff einen gemeinsamen Videochat starten“, erklärt Wright. Und so ging eine Mail an die Mitglieder heraus. Mit einem Link für den Chat und der Bitte, am Montagabend ab 20 Uhr Laptop, Tablet oder Handy bereit zu halten – und ein kühles Bier.
Virtuell empfangen werden die Mitglieder dann von Lawatsch und seiner Freundin Patricia Kleen sowie Wright und seiner Freundin Dijana Kreko. Dieses Werder-Quartett darf gemeinsam vor dem Fernsehgerät sitzen. „Wir wollen so mit unseren Freunden anstoßen und die Bremer Mannschaft gegen Bayer Leverkusen moralisch unterstützen“, sagt Lawatsch. Anpfiff ist am Montag um 20.30 Uhr.
