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Ecstasy Viele offene Fragen nach dem Drogentod einer 13-Jährigen

Blick auf die Schule der 13-Jährigen, die nach der Einnahme einer Ecstasy-Pille gestorben ist.

Blick auf die Schule der 13-Jährigen, die nach der Einnahme einer Ecstasy-Pille gestorben ist.

Bernd Wüstneck/dpa

Neubrandenburg (dpa) - Die Eltern des nach der Einnahme einer Ecstasy-Pille gestorbenen 13-jährigen Mädchens aus Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern glauben nicht, dass ihre Tochter die Droge freiwillig genommen hat.

«Definitiv hat sie das nicht freiwillig gemacht», sagte die Mutter im Gespräch mit «stern TV am Sonntag» (RTL). Denn erst Tage zuvor habe ihre Tochter Finja den Kollaps einer Freundin nach Drogenkonsum selbst miterlebt und große Angst um deren Leben gehabt.

Die Polizei prüft auch, ob die Ecstasy-Pille der Variante «Blue Punisher» der Jugendlichen eingeflößt worden sein könnte. Aktuell werde keine Möglichkeit ausgeschlossen, da über die Umstände, die zu ihrem Tod geführt haben, bisher wenig bekannt sei, teilte eine Sprecherin der Polizei in Neubrandenburg mit. Da alle Pillen aus Pulver gepresst werden, sei es zudem grundsätzlich möglich, sie in Flüssigkeiten aufzulösen.

Laut Polizei könnte unter anderem das toxikologische Gutachten weitere Erkenntnisse liefern. Hierzu gehört die Frage, ob nur eine Substanz oder mehrere zum Tod der Jugendlichen führten. Die 13-Jährige war vor einer Woche im Krankenhaus gestorben.

Angst um das Leben der Freundin

Die Eltern erzählten, Finja habe ihnen in Panik von einem Vorfall mit einer Freundin berichtet, bei dem sie dachte, die Freundin würde sterben. Sie habe deren Krampfanfälle und Luftnot und die Behandlung im Krankenhaus unmittelbar mitbekommen. Finja selbst habe bestätigt, dass ihre Freundin nach Drogenkonsum zusammengebrochen sei.

Aufgrund der Angst, die Finja um das Leben ihrer Freundin gehabt habe, äußerten sich die Eltern überzeugt, dass ihre Tochter später die Ecstasy-Pille der Variante «Blue Punisher» nicht freiwillig genommen habe. «Sie hat gesagt, sie macht sowas nicht», betonte die Mutter. Die Eltern richteten einen Appell an alle Kinder und Jugendlichen: «Nehmt keine bunten Pillen! Wenn etwas angeboten wird, nicht annehmen! Weggehen, Polizei rufen! Es darf nicht noch einmal passieren, dass wegen des Zeugs jemand stirbt.»

Die Eltern wirkten bei dem Interview äußerlich gefasst, aber innerlich verzweifelt. «Man steht vor einem tiefen schwarzen Loch, funktioniert eigentlich bloß und denkt sich: Warum?», sagte die Mutter. «Zerstört ist unser Leben eigentlich», sagte der Vater. «Sie war ein fröhliches Mädchen.»

Die Zeit hat gefehlt

Nach der Einlieferung ihrer Tochter waren die Eltern in die Klinik in Neubrandenburg gefahren. «Dann ging auch alles ganz, ganz schnell. Das war Wahnsinn», schilderte die Mutter. Finja habe auf nichts mehr reagiert. Der Vater erzählte, den Ärzten habe die Zeit gefehlt. «Sie haben mit aller Macht alles getan für unsere Tochter. Man konnte ihr nicht mehr helfen. Die Zeit hat einfach gefehlt. Das ging so schnell.»

Nach dem Tod des Mädchens war Haftbefehl gegen einen 37-Jährigen erlassen worden, der laut Amtsgericht Neubrandenburg in zwei Fällen Betäubungsmittel an Minderjährige abgegeben haben soll. Gegen einen 17-Jährigen sei hingegen mangels Haftgrundes kein Haftbefehl erlassen worden. Die Polizei hatte zunächst vier Verdächtige festgenommen.

Vorfälle mit der chemischen Droge «Blue Punisher» sorgen derzeit in mehreren Bundesländern für Aufsehen. Dabei handelt es sich um eine besondere Erscheinungsform von Ecstasy-Tabletten. Herkunft und Wirkstoff können davon unabhängig variieren. Zuletzt waren solche Pillen durch eine offenbar sehr hohe und gefährliche Konzentration aufgefallen.

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