Wunstorf - Im Fall des mutmaßlich getöteten 14 Jahre alten Schülers in Wunstorf bei Hannover hat die Staatsanwaltschaft in der Landeshauptstadt einen Haftbefehl gegen einen gleichaltrigen Bekannten des Jungen wegen Mordverdachts beantragt. Der mutmaßliche Täter sei am Donnerstag in Hannover einem Jugendrichter vorgeführt worden, der die Aufgabe eines Haftrichters übernommen habe, sagte Staatsanwalt Can Türkay dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mord kann nach dem Jugendstrafrecht mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet werden.

Der Leichnam des getöteten Schülers war am Mittwoch nach einer groß angelegten Suche auf einem Brachgelände am Rande eines benachbarten Dorfes gefunden worden. Der Junge war am Abend zuvor nicht von einer Verabredung mit dem gleichaltrigen Bekannten zurückgekehrt und von seinem Vater als vermisst gemeldet worden. Der Bekannte gab zu, den Jungen getötet und seinen Leichnam versteckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an, ein Ergebnis lag jedoch am Donnerstag noch nicht vor.

Sowohl das Opfer als auch der mutmaßliche Täter seien deutsche Staatsbürger und auch deutschstämmig, sagte Türkay. Zum genauen Hergang des mutmaßlichen Verbrechens sowie zum Tatort, zur Tatwaffe und zum Motiv könne er noch keine Angaben machen.

Bei den Mitschülern des Opfers löste die Tat große Bestürzung aus. „Die Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte und alle Mitarbeitenden sind entsetzt, fassungslos und unendlich traurig über das, was geschehen ist“, sagte Schuldirektorin Elke Rothämel von der Evangelischen Integrierten Gesamtschule in Wunstorf. Dort hatte der Junge bis zu seinem Tod die achte Klasse besucht. An der Ganztagsschule in kirchlicher Trägerschaft fiel am Donnerstag der Unterricht weitgehend aus.

Lehrkräfte sowie Seelsorger, Psychologen und Pädagogen suchten an der IGS stattdessen das Gespräch mit den insgesamt mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen, um sie zu trösten. „Alle stehen unter Schock“, sagte die Oberlandeskirchenrätin und evangelische Schuldezernentin Kerstin Gäfgen-Track dem epd. „Es muss jetzt erst einmal Raum gegeben werden, dieses furchtbare Geschehen zu verarbeiten.“

Ein Unglück wie dieses löse bei Jugendlichen eine große Verunsicherung aus: „Das nimmt das ganze Lebensgefühl weg. Wer will das begreifen, warum ein 14-jähriger Schüler einfach umgebracht wurde?“ Am Freitag, dem Tag der Halbjahreszeugnisse, wird Landesbischof Ralf Meister zu einer Trauerandacht für den gesamten achten Jahrgang erwartet. „Wir versuchen, ihnen Gemeinschaft zu vermitteln, weil das den Jugendlichen am meisten hilft“, betonte Gäfgen-Track. Die Schule wurde am Donnerstag vor Besuchen von Außenstehenden weitgehend abgeschottet.

Die Seelsorge-Expertin Bettina Wittmann-Stasch sagte dem epd, in solchen Situationen sei es wichtig, jungen Menschen deutlich zu machen, dass sie das Erlebte verarbeiten und überstehen werden. Im Unterschied zu Erwachsenen hätten Kinder und Jugendliche meist noch nicht die Erfahrung machen können, dass sie aus schwierigen Situationen auch wieder herauskämen. „Das macht sie in gewisser Weise zerbrechlicher“, sagte die Schulseelsorgerin und stellvertretende Rektorin des Religionspädagogischen Instituts Loccum bei Nienburg.