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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Kriminalität: 25 Jahre Haft für 54 Stunden Geiseldrama

19.03.2016

Düsseldorf /Bremen Schon Monate vor dem Urteil hatte Hans-Jürgen Rösner gefordert, ihm endlich sein „Lebenslang“ zu verpassen, damit „die Muppet-Show“ ihr Ende habe. Gemeint war der Strafprozess gegen ihn und Komplize Dieter Degowski. Als das Essener Landgericht am 22. März 1991 nach 109 Verhandlungstagen das Urteil verkündete, bekam Rösner sein Lebenslang und anschließende Sicherungsverwahrung dazu. Das war vor 25 Jahren. Zu dem Zeitpunkt saßen beide bereits seit zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft.

Ein aus dem Ruder gelaufener Bankraub hatte sich im August 1988 zu einem in der deutschen Kriminalgeschichte beispiellosen Verbrechen entwickelt, das sich 54 Stunden lang über Hunderte Kilometer quer durch die Republik zog. Am Ende des Gladbecker Geiseldramas waren zwei erschossene Geiseln und ein toter Polizist zu beklagen.

Inzwischen haben beide Schwerverbrecher mehr als 27 Jahre hinter Gittern verbracht. Der heute 59 Jahre alte Degowski hat im Gefängnis in Werl seine Mindesthaftdauer von 24 Jahren abgesessen. 2013 hatte das Landgericht Arnsberg Lockerungen für ihn angemahnt. Inzwischen hat er nicht nur begleitete, sondern auch schon unbegleitete Ausgänge unternehmen dürfen.

Es war Degowski, der an der Raststätte Grundbergsee den 15-jährigen Emanuele De Giorgi erschoss, weil die Polizei seine Freundin festgenommen und nicht rasch genug wieder freigelassen hatte. Dass er den jungen Italiener für den Mord auswählte, begründete er so: „Ich kann Ausländer sowieso nicht leiden.“

Den Tod der 18-jährigen Geisel Silke Bischoff aus Bremen verschuldete nach Worten des Richters allein Rösner. Leichtfertig habe er die Waffe auf die verängstigte Frau gerichtet, nachdem die Polizei ihre Befreiungsaktion auf der Autobahn bei Bad Honnef gestartet hatte.

Die Mindestverbüßungsdauer von Rösner, ebenfalls 59 Jahre alt, endete vor wenigen Tagen. Er sitzt in Aachen ein. Im vergangenen Herbst durfte er erstmals raus: eine „begleitete Ausführung zum Erhalt der Lebenstüchtigkeit“.

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