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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Einkaufswagen: 80 Jahre Warenkorb auf Rädern

02.06.2017

Oklahoma Sylvan Goldman hatte keine Zweifel daran, dass seine Idee die Shopping-Welt umkrempeln würde. Am 4. Juni 1937 stellte der Geschäftsmann aus Oklahoma City seine Innovation der Öffentlichkeit vor. „Es ist neu – es ist sensationell“, verkündete der Besitzer der Supermarktkette Humpty Dumpty per Zeitungsanzeige. Zum Bild einer vom Tragen ihres Warenkorbs erschöpften Frau versprach die Annonce, dass solche Strapazen von nun an der Vergangenheit angehörten. Die Lösung war so simpel wie genial: der Einkaufswagen.

Skepsis und Ablehnung

Doch auch wenn der Warenkorb auf Rädern heute fester Bestandteil des Einzelhandels und längst nicht mehr aus den Supermärkten wegzudenken ist – damals brauchten die Kunden einige Überzeugungshilfe. „Leider war die Einführung ein Flop“, heißt es in einer Studie der Soziologin und Marktforscherin Catherine Grandclément. Die Menschen waren noch nicht an das neue Hilfsvehikel gewöhnt. Zudem gab es auch noch andere Startschwierigkeiten. So mieden junge Männer die Wagen, um den Eindruck zu vermeiden, sie seien zu schwach, Einkaufskörbe zu tragen. Frauen reagierten mitunter ebenfalls ablehnend, weil das neuartige Shopping-Gefährt an einen Kinderwagen erinnerte und als unmodisch galt. Nur die ältere Kundschaft nahm die rollenden Behelfsmittel auf Anhieb dankend an. Doch Goldman griff zu einem cleveren Marketing-Trick.

Klappstühle auf Rollen

Um das neue System zu bewerben, heuerte der Unternehmer Models an, die seine Einkaufswagen durch die Läden schoben und Kunden animierten, dasselbe zu tun. Jetzt kam die Sache in Gang und wurde zu einem großen Erfolg. Von Oklahoma aus sollte die Shopping-Revolution ganz Amerika erfassen.

Im September 1937 nutzte Goldman das erste Branchentreffen, die „Super Market Convention“, um sein Produkt der Fachwelt bekanntzumachen. Doch auch hier gab es zunächst Widerstand.

Die Supermarkt-Betreiber fürchteten, dass die Einkaufswagen ein Sicherheitsrisiko sein könnten und Kinder sich daran verletzen. Dass die Wagen später einmal mit Kindersitzen ausgestattet und sogar als eine Art überdachtes Bobbycar zum fahrbaren Untersatz für den Nachwuchs werden sollten, ahnte damals noch keiner. Goldman reagierte auf die Einwände abermals smart: Er veranschaulichte seine Idee mit einem Werbefilm und traf damit den richtigen Nerv. Nun kaufte man ihm in großem Stil die Einkaufswagen ab, er machte ein Vermögen.

Dabei unterschied sich das Produkt damals noch stark vom heutigen Standard. In der Biografie „Der Wagen, der die Welt veränderte: Die Karriere von Sylvan Goldman“ schildert Autor Terry Wilson den Moment des brillanten Einfalls. Eines Nachmittags fielen Goldman zwei Klappstühle in seinem Büro auf und ihm kam die Idee: Wenn man zwei Stühle kombinieren und Rollen an den Beinen befestigen würde, so könnten Warenkörbe auf den Sitzflächen platziert und das ganze Konstrukt umhergeschoben werden. So hoffte er, Kunden mehr Waren verkaufen zu können.

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