• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama

Seit Sechs Jahrzehnten Im Geschäft: 85-jährige Juwelendiebin schlägt wieder zu

29.10.2015

Atlanta Vor zehn Jahren, im Alter von 75 Jahren, da schwor Doris Payne eines: Nie wieder, nie wieder werde sie Schmuck stehlen. Mehrere listige Taten auf zwei Kontinenten waren genug. Weitere Festnahmen später, im Jahr 2013, versprach sie abermals: Jetzt ist gut mit dem Juwelenklau.

Und doch kann es Doris Payne nicht lassen. Mit 85.

Polizeiangaben zufolge wurde Payne kürzlich festgenommen und beschuldigt, ein Paar Ohrringe aus einem Kaufhaus der Luxuskette Saks Fifth Avenue in einem Nobeleinkaufszentrum in Atlanta gestohlen zu haben. Ladenpreis: 690 Dollar (rund 625 Euro).

Payne wird mit unzähligen Diebstählen im Laufe von sechs Jahrzehnten in Verbindung gebracht. Sie stahl Schmuck in den USA und in Europa, gab Fernsehinterviews über ihre Taten und ist in einem Dokumentarfilm namens „The Life and Crimes of Doris Payne“ ausgiebig porträtiert worden.

Ein Wachmann hat nun auf Überwachungsvideos Paynes neuesten Diebstahl mitverfolgt. Auf den Aufzeichnungen ist laut der Polizei zu sehen, wie die 85-Jährige in eine Boutique der Luxusmarke Christian Dior hineinspaziert. Dann nimmt sie die Ohrringe aus einer Ablage - und verschwindet schnell aus dem Laden. Noch in der Mall wurde sie mit dem Schmuck in der Tasche festgenommen.

Payne kam ins Gefängnis von Fulton County und muss sich abermals wegen Ladendiebstahls verantworten. Für ein ähnliches Vergehen wird sie der Polizei zufolge auch im US-Staat North Carolina gesucht. Der 85-Jährigen droht die Auslieferung.

Shawn McCullers, ein Anwalt der Diebin, verweist nach dem jüngsten Fall auf gesundheitliche Probleme seiner Mandantin, die versorgt werden müssten. Genauere Auskünfte dazu gibt er nicht. Er erwarte eine Freilassung von Payne, damit sie so bald wie möglich ihre Medikamente bekommen könne, schrieb McCullers in einer E-Mail. „Wenn das eingetreten ist, können wir einen Entschluss treffen, wie wir weiter vorgehen.“

Als Tochter eines ungelernten Grubenarbeiters kam Payne im Oktober 1930 in Slab Fork im US-Staat West Virginia zur Welt. Als sie 23 war, spazierte sie in Pittsburgh mit einem Diamanten im Wert von 22 000 Dollar aus einem Juweliergeschäft - selbstredend ohne dafür zu zahlen. Es war der Beginn einer lebenslangen Karriere, die sie mehrere Male hinter Gittern gebracht hat. Einmal, so erzählte sie der Nachrichtenagentur AP im Jahr 2005, saß sie für fast fünf Jahre in einem Gefängnis in Colorado ein.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sie ihre Erfolgsstrategie perfektioniert, um damit Angestellte in Juweliergeschäften zu umgarnen: nett anziehen, eine Designer-Handtasche bei sich tragen und sich mit einer detaillierten Geschichte wappnen. Angesichts einer betuchten Dame mit Geld, das sie gewillt ist auszugeben, entspannen sich viele Ladenmitarbeiter, missachten auch mal die ein oder andere Regel und bringen ihr mehrere hochwertige Stücke auf einmal. Payne probiert sie dann schnell an und legt sie wieder ab, bis der Verkäufer nicht mehr all den Schmuck im Blick behalten kann. Zu diesem Zeitpunkt verschwindet Payne gerne aus dem Laden - mit einem der teuren Luxusgegenstände in der Hand.

Der Name Doris Payne ist den Behörden wohlbekannt - und nicht nur der: Im Laufe der Jahre hat sie demnach mindestens 22 Pseudonyme verwendet. Dabei soll sie häufiger mit einer Tat durchgekommen sein, als dass sie verhaftet wurde. Der Sicherheitsverband der Juweliere warnte bereits in den 70er Jahren auf Aushängen vor der berüchtigten Diebin.

Der Präsident der Jewelers“ Security Alliance, John J. Kennedy, bezeichnet Payne als eine Liga für sich unter den Schmuckdieben. „Es kommt außerordentlich selten vor, dass ein Krimineller eine solch lange Karriere hat“, sagt er. „Für gewöhnlich ist es so, dass sie entweder aufhören, weil sie genug Geld haben und das Risiko nicht mehr eingehen wollen, oder sie sind tot.“ Dass Payne nochmals etwas mitgehen lassen habe, überrasche ihn nicht: „Wenn du in dem Alter bist und das immer noch machst, dann wirst du niemals damit aufhören.“

In dem AP-Interview 2005 erzählte sie in einem Gefängnis in Las Vegas gutgelaunt und lachend von ihren Straftaten. Diamanten stehle sie am meisten, weil das am einfachsten sei, sagte sie damals. Sie stehle nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Spiels. „Ich hatte Reue, und ich hatte eine gute Zeit“, sagte sie. Und sie werde ganz sicher nicht wieder stehlen, versprach sie ebenso wie in einem Interview den Dokumentarfilmemachers Matthew Pond im Sommer 2013. Nie wieder, ganz bestimmt.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.