Riedlingen/München/Düsseldorf - Deutschlands Narren haben den Endspurt im Karneval eingeläutet. Am Aschermittwoch ist wieder Schluss mit lustig. Am Veilchendienstag trieben die Narren noch einmal ihr Unwesen.

In gewohnt tapferer Manier löffelte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann seinen alljährlichen Teller Froschkutteln aus. „Super“, befand der Grünen-Politiker in Riedlingen nach dem Verzehr der Suppe aus Rinderinnereien. Die Suppe sei dieses Jahr etwas reichhaltiger gewesen: „Noch mehr Masse als sonst.“ Der 66-Jährige kommt seit Jahrzehnten auf Einladung der Narrenzunft Gole nach Riedlingen bei Biberach.

Tausende Münchner feierten derweil auf dem Viktualienmarkt beim traditionellen Tanz der Marktweiber. Mit flatternden Röcken und knallbunten Hüten aus Blüten und Obst erfreuten die Marktfrauen die Zuschauer. Laut Polizei kamen etwa so viele Menschen wie jedes Jahr – gut 10 000. Von Terrorangst war auf dem Viktualienmarkt nichts zu spüren. „Wir haben in München gezeigt, dass wir weltoffen und tolerant sind und dass wir jeder Art von Terror entgegentreten“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Ein Griff – und schon hat der Pappmaché-Kopf von Kanzlerin Angela Merkel eine Delle. Die Karnevalisten in Düsseldorf zerlegten am Veilchendienstag ihre in wochenlanger Arbeit aufgebauten Rosenmontagswagen. Mit Hilfe von Hammer, Brechstange und Bagger wurden die überwiegend aus Papier und Draht gestalteten Aufbauten abgewrackt. „Ein nettes Ritual“, kommentierte Wagenbauer Jacques Tilly, der mitmachte. Auch die einen „Terror-Wettkampf“ austragenden Schädel von Islamisten waren in kurzer Zeit demontiert.

Die Polizei in vielen Städten meldete in diesem Jahr keine größeren Probleme. In Köln und Düsseldorf war der Rosenmontag „relativ ruhig“. Es habe weniger Schlägereien als sonst gegeben. „Es war ein Familienfest“, sagte eine Polizeisprecherin in Köln.

Unfälle und Gewalt blieben bei den Massenspektakeln aber nicht aus. In Düsseldorf wurde eine 63-jährige Ordnerin von einer Zugmaschine erfasst und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ein Sprecher der Mainzer Polizei berichtete von einer „extrem großen Steigerung“ bei der Kriminalität: Es hagelte beim Rosenmontagszug 201 Strafanzeigen – 70 mehr als 2014.

In Rockenhausen schlug am Montagabend ein 22-Jähriger einen Polizisten dienstunfähig.