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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Ärztin mordete mit Morphium

11.07.2012

AACHEN Es ist ein Absturz in wenigen Sekunden: vorher Ärztin, jetzt Mörderin. Der jahrelange Kampf, der Aufstieg von der drogenabhängigen Prostituierten zur Ärztin – mit dem Urteil vor dem Landgericht Aachen ist alles hin. Die 36-Jährige mit den brünetten Haaren und dem feinen Profil bewahrt am Dienstag Haltung. Lydia H. und ihr Anwalt Reinhard Birkenstock hatten auf minder schweren Totschlag gesetzt, mit höchstens zehn Jahren Haft. Das Urteil lautet Mord, lebenslange Haft und Berufsverbot.

Mord mit einer Überdosis Morphium. Das ist das Ende der Geschichte von dem Mädchen und dem alten Mann, von der Prostituierten und ihrem Retter. Vom Stiefbruder missbraucht, das Elternhaus verlassen, drogenabhängig, auf dem Strich: Das sei die Situation der jungen Frau gewesen, als sie ihren Mann kennenlernte. „Sie 19, er 69“, sagt der Vorsitzende Richter Gerd Nohl. Der wesentlich ältere Mann gibt ihr eine Lebensperspektive: Schule, Studium, Ausbildung zur Ärztin. „Das Ehepaar galt als gutes Team, das Respekt voreinander hatte“, so Nohl.

Als frisch gebackene Ärztin lernt sie Ende 2010 in Süddeutschland einen anderen Mann kennen – 67, pensionierter Lehrer. Sie bleibt tagelang weg, bekommt in Ulm den Zuschlag für eine Stelle. Der Ehemann spürt die Veränderung, sperrt die Bankkonten.

Im Prozess hatte die Angeklagte fünf lange Monate geschwiegen. Hatte verfolgt, wie die Richter möglichen Theorien nachgingen: Suizid, Tötung auf Verlangen, Tötung, Herzversagen.

Dann erzählte sie die Geschichte von dem Streit an jenem verhängnisvollen Tag im Februar 2011, in dem der Ehemann sie erniedrigt und alte Wunden aufgerissen habe. Sie erzählte, dass sie abgrundtief erregt, zornig und ins Mark getroffen die Spritze mit Morphium aufgezogen und ihrem Mann injiziert habe. Er wurde 85 Jahre alt. Die Tötung aufgrund einer seelischen Belastung kann in der juristischen Bewertung Totschlag sein.

Die Frau habe aber Sekunden vor der Tat bewusst den Entschluss gefasst, ihren Mann aus dem Weg zu räumen, meinen die Richter. Sie habe frei sein wollen für die neue Stelle und für die neue Beziehung. Der kränkliche Ehemann sei ihr körperlich unterlegen gewesen. „Er rechnete nicht damit, dass seine Frau ihn angreifen würde“, sagt Nohl und wertet die Tat als Mord.

Das Morphium hatte sich Lydia H. selbst verschrieben – vermutlich zum eigenen Konsum, wie im Prozess deutlich geworden war. Am Morgen nach der Tat kam nicht die vertraute Hausärztin. Sie hätte wahrscheinlich den Totenschein ausgestellt, meinte Nohl. Es kam der Notarzt. Der habe eine Obduktion angeregt. Später dann die toxikologische Untersuchung auf Anregung der Staatsanwaltschaft.

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