AMSTERDAM/ISTANBUL - Als Ursache für den Absturz einer türkischen Passagiermaschine nahe Amsterdam vermuten Experten einen Ausfall der Triebwerke. Bei dem Unglück starben neun Menschen – fünf Türken und vier US-Amerikaner. 86 Personen wurden verletzt. An dem Flugzeug sollen bereits in der vergangenen Woche technische Probleme aufgetreten sein. Die konkrete Ursache für den Absturz war am Donnerstag aber weiterhin unklar.
Maschine wurde gewartet
Derweil teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit, dass unter den 126 Überlebenden auch ein 48-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen ist. Der Mann hatte großes Glück: Er erlitt nur leichte Verletzungen und musste nicht im Krankenhaus behandelt werden.
An der Boeing 737-800 der Turkish Airlines habe es am 18. Februar Probleme mit den Start- und Landeklappen gegeben, die als Auftriebshilfen dienen. Das berichteten türkische Medien am Donnerstag. Nachdem die Piloten auf Probleme hingewiesen hätten, sei an dem Flugzeug gearbeitet worden. Am Montag sollen Piloten zudem einen Start abgebrochen haben, weil ein Warnsystem aufleuchtete. Die Maschine sei danach erneut gewartet worden.
Turkish Airlines bestätigte nur die Fehlfunktion eines Warnsystems. Auch teilte die Gesellschaft mit, im vergangenenen Oktober sei an einer Start- und Landeklappe ein Bauteil ausgetauscht worden.
Fachleute setzten am Donnerstag intensiv die Auswertung der vom Stimmenrekorder aufgezeichneten Cockpit-Gespräche sowie des Flugdatenschreibers fort. Beide Geräte wurden einem Spezialinstitut in Paris übergeben.
Zugleich ging die Untersuchung der Wrackteile der Boeing weiter. Bei dem Aufprall auf einen Acker nahe des Flughafens Schiphol wurden am Mittwoch auch die beiden Piloten und ein Pilot in der Ausbildung getötet. Sie wurden von einer Instrumententafel erschlagen.
Experten des niederländischen Instituts für Luftfahrtsicherheit gehen bislang davon aus, dass die Maschine beim Landeanflug nicht genügend Leistung brachte. Denkbar sei ein Versagen der Triebwerke, aber auch ein „instabiler Landeanflug“.
Die Piloten waren von dem Absturz offenbar völlig überrascht. Der Kapitän meldete der Flugkontrolle keine Probleme, als er sich die Landeerlaubnis erteilen ließ. Das geht aus den Aufzeichnungen des Funkverkehrs hervor. Diese Erkenntnisse bestärken Experten in der Vermutung, dass die Boeing durch einen plötzlichen Ausfall der Triebwerke abstürzte.
Enorme Zerstörung
Ein Sprecher der Turkish Airlines erklärte in Istanbul, der dritte Pilot im Cockpit habe ein Training erhalten. Olgay Özgür (29) sei aber bereits seit 2004 im Besitz einer Pilotenlizenz gewesen. Zuvor war spekuliert worden, dass er die Maschine gesteuert haben könnte. Auch Überlegungen, der Boeing könne der Treibstoff ausgegangen sein, wurden nicht bestätigt.
Der Koordinator der Untersuchungen, Pieter van Vollenhoven, äußerte sich nach einer Besichtigung des Wracks „sehr überrascht“, dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe. Die Zerstörungen an dem Flugzeug seien enorm.
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NWZ TVzeigt einen Film von den Bergungsarbeiten unter:
