New York - Der 13. Jahrestag der Anschläge vom 11. September wird wohl nicht nur im Zeichen der Erinnerung stehen, sondern auch einen bangen Blick auf die Gegenwart lenken. US-Luftschläge gegen den Islamischen Staat im Irak, die explosive Lage im benachbarten Syrien und die brutale Enthauptung der zwei Journalisten James Foley und Steven Sotloff haben in diesen Tage die Schlagzeilen bestimmt - und werfen einen düsteren Schatten auf die Gedenkfeiern in New York.

Zwar gibt es keine konkrete Bedrohung rund um die für den (morgigen) Donnerstag geplante Veranstaltung am National September 11 Memorial & Museum, dem Mahnmal auf dem Gelände des ehemaligen World Trade Centers im Süden Manhattans. Doch stelle der Vormarsch verschiedener militanter Gruppen in aller Welt die komplexeste Terrorgefahr seit der Zerstörung der Zwillingstürme dar, erklärten Geheimdienstbeamte diese Woche.

Es sei alles sehr vielschichtig, die Bedrohungen kämen nicht alle vom selben Ort oder derselben Ideologie, sagte etwa der Vizechef der Geheimdienst- und Anti-Terror-Abteilung der New Yorker Polizei, John Miller. Noch vor fünf Jahren sei dies anders gewesen, als damals Al-Kaida das größte Risiko dargestellt habe. Nun sei die Gefahr auch durch die gut finanzierte, ausgeklügelte „Massenvermarktung des Terrorismus“ erwachsen, etwa durch Ablegergruppen, Kämpfern mit Wurzeln im Ausland, militanten Rebellen und dem Konzept des „Al-Kaida-Ismus“, erklärte Miller.

Dazu verwies der ranghohe Beamte auf die große Professionalität der Videos der Extremisten. Und auf das hohe Level der Gedankenarbeit, mit der sie auch auf intellektueller Basis versuchten, Menschen anzuwerben. „Die machen das Gleiche, was wir beim kommerziellen Verlagswesen oder der Werbeindustrie gesehen haben.“

New York ist aus Sicht von Behördenvertretern nach wie vor das große Ziel mutmaßlicher Terroristen. Dies mache die Vorbereitung großer Veranstaltungen wie das US-Open-Tennisturnier, die UN-Vollversammlung und eben die Gedenkfeiern rund um den 11. September so kritisch. Nun komme verschärfend hinzu, dass Präsident Barack Obama wenige Stunden vor dem Jahrestag in einer Rede seine Pläne über eine Ausweitung der US-Aktionen gegen den im Irak und Syrien aktiven Islamischen Staat erläutern wollte. Obama traf am Dienstag bereits mit ranghohen Vertretern seiner Regierung zusammen, um mögliche Sicherheitsgefahren und die Vorkehrungen vor dem Jahrestag zu besprechen.

Der New Yorker Polizeichef William Bratton hält seine Truppe in jedem Fall für vorbereitet. „Wir werden - wie immer - die Gewinnung von Geheimdienstinformationen und unsere Präsenz hochfahren“, sagte er. Das bedeutet, dass Tausende Beamte in Spezialteams aufgeboten werden. Zudem sind Spürhunde im Einsatz, die nicht nur den Geruch von Sprengstoff ausmachen können, sondern sogar Ausdünstungen eines sich bewegenden Ziels. Mit von der Partie dürften zudem verdeckt ermittelnde Ermittler und Einsatzteams sein, die unter anderem radioaktive Detektionsgeräte nutzen. Zudem sollen Geheimdienstbeamte in aller Welt regelmäßig über Vorkommnisse berichten.