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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Sargbaukurse: Ein Möbel für die Ewigkeit – Marke Eigenbau

18.04.2020

Artland Biotischlerin Sigrid Moritz bietet in ihrer Werkstatt in der Artländer Gemeinde Menslage (Landkreis Osnabrück) ökologische Sargbaukurse an und liegt damit voll im Trend. Denn die Tendenz zum individuellen Sarg oder Grab ist bundesweit verbreitet und nun auch in Nordwestdeutschland angekommen. „Ich bin von meinen Kunden gefragt worden, ob ich nicht auch ihr Möbel für die Ewigkeit bauen möchte. Da kam mir die Idee, an die Tradition meiner Vorfahren anzuknüpfen und nach fünf Jahrzehnten wieder Särge zu bauen“, erklärt die 63-Jährige. „Und wenn die Teilnehmer den Sarg mit meiner Hilfe selbst herstellen, bekommt das Ganze noch eine persönlichere Note.“

In den Kursen will Moritz außerdem den Umgang mit Kleinmaschinen, Stichsägen und sonstigem Handwerkszeug vermitteln. Einigen sei diese Idee zwar etwas makaber vorgekommen, andere zeigten sich jedoch begeistert. Auch von der nachhaltigen Besonderheit: Der spätere Sarg kann vorher als Schrank oder als Truhe genutzt werden.

Im Todesfall müssen sich dann Angehörige um die Innenausstattung kümmern, die dann ebenso ökologisch sein wird wie das Holz selbst. „Der Sarg wird komplett mit Ölpapier ausgelegt, dann werden 15 Zentimeter hoch Hobelspäne eingefüllt. Darauf wird ein Leinen bzw. Baumwolltuch gelegt. Das Papier und das Tuch müssen mit Leisten im Sarg befestigt werden. Das sieht schöner aus und die Körperflüssigkeiten werden damit aufgefangen“, erklärt Moritz.

Man könne sich aber auch über einen Bestatter eine fertige Ausstattung mit Sickerschutz (verrottbare Folie) besorgen oder eigene Kissen und Decken verwenden. Für eine Erdbestattung erhalte der Sarg Füße und Griffe. Im Fall einer Feuerbestattung dürften sich keine großen Metall- oder Plastikteile am Sarg befinden. Nach der Einsargung bzw. Aufbahrung würde der Deckel fest verschraubt.

Kinder halfen mit

All dieses Wissen habe sie schon als Kind erworben. Ihre Schwester Irmhild und sie seien mit diesem Thema in der elterlichen Werkstatt groß geworden, weil diese ebenso wie ihre Großeltern Bestattungen durchgeführt hätten. „Die ersten Jahre haben wir die Särge noch selbst gebaut und wir Kinder durften die Holzböden hobeln. Die Kissen füllten wir dann mit Spänen und nähten sie mit Hexenstichen zu. In späterer Zeit gab es fertige Särge aus dem Umkreis. Wir haben sie gekauft und weiter Bestattungen durchgeführt“, erinnert sich Moritz.

Die Angehörigen der Verstorbenen hätten sich dann Särge aus kleineren Katalogen auswählen können. „Ab 1965 haben wir immer drei bis vier Modelle meist in heller Eiche am Lager gehabt. Damals machte jeder Tischler Bestattungen in Zusammenarbeit mit Lohnunternehmern, welche Särge in einem schwarzen Anhänger zum Trauerhaus und danach zur Leichenhalle fuhren“, verweist die Handwerkerin auf den Hintergrund der Bestattungen.

Sargbaukurse waren für sie ein Novum und zunächst undenkbar. Als sich aber acht Frauen für den ersten Kurs anmeldeten, begann die Tischlerin Kiefernplatten zurechtzuschneiden, zu schleifen sowie die Beschläge und die Einlegebretter vorzubereiten. „Die Maße eines Sarges sind relativ individuell. Sie richten sich danach, wie groß und schwer jemand ist.

In der Regel sind Särge etwa 55 Zentimeter breit, 38 Zentimeter tief und zwei Meter lang. Ich berücksichtigte auch Sonderwünsche in Bezug auf die Holzart, die normalerweise eher schlicht in der Maserung ist. Die Teilnehmer bestimmen auch die Farbgebung selbst“, verrät die 63-Jährige Details. Die Lochreihen für die Böden bohren die Kursleute selbst, schleifen den Sarg nach und runden die Kanten ab. Bei der Tür bzw. dem Deckel bringen die Frauen eine Ständerbohrmaschine zum Einsatz. Mit Hilfe der Tischlerin wird das ‚Möbel für die Ewigkeit“ schließlich zusammengebaut und die Rückwand bzw. der Boden zusammengeschraubt.

Entspannte Atmosphäre

Die Atmosphäre unter den Teilnehmerinnen ist konzentriert, aber entspannt. In der Mittagspause offenbaren die Frauen ihre Motive und Ziele für diesen Kurs. Kerstin will sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzten, nachdem ihr Mann früh verstorben und sie selbst an Krebs erkrankt ist. Silvia möchte ein Tabu brechen und mit Bekannten darüber ins Gespräch kommen. „Freunde und Angehörige sind alle neugierig auf meinen Sarg und wollen Fotos davon. Man redet wieder über das Thema Tod, das haben wir zu lange ausgeblendet“, gesteht Marlene. Sie findet die Idee mit dem eigenen Sarg super. „Er wird in meinem Keller auf einem roten Teppich platziert. Darin bewahre ich Erinnerungsstücke an meine Kinder auf. Wenn ich gestorben bin, dürfen sie ihn öffnen und bemalen. Das habe ich testamentarisch festgelegt“, verrät die Emsländerin. Wenn ihr selbstgebauter Sarg zu Hause ist, will Birgit ihn mit floralen Motiven verschönern.

Der Quakenbrücker Bestatter Martin Ortland würde den Wunsch nach einem selbstgestalteten Sarg begleiten, rät aber dieses Anliegen mit seinem regionalen Bestattungsinstitut abzusprechen. Denn in den einzelnen Bundesländern und Orten gäbe es bestattungsrechtliche als auch friedhofsrechtliche Unterschiede.

Für Informationen zu den Sargbaukursen ist Biotischlerin und Innenarchitektin Sigrid Moritz in Menslage derzeit unter der Telefonnummer 05437/ 701 erreichbar. Eine eigene Internetseite gibt es dazu nicht.

Ein Sargbaukurs bei Sigrid Moritz kostet pro Person 500 Euro – inklusive Material und Mittagsimbiss. Diese Kurse finden erst wieder 2021 statt, falls sich genug Teilnehmer melden.

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