AUSSIG - Das vor zehn Tagen in Tschechien vor den Augen seiner Mutter aus einem Kinderwagen entrissene Baby ist wieder zu Hause. Die junge Mutter und mehrere weitere Familienmitglieder waren nach Deutschland gereist, um das entführte Kind in Koblenz abzuholen. Noch in der Nacht zum Sonntag brachten sie die erst vier Wochen alte Michala Janova mit dem Auto zurück in ihre Heimat.

Vor dem Wohnhaus der Roma-Familie nahe dem Entführungsort Aussig an der Elbe (Usti nad Labem) warteten zahlreiche Menschen. Das Haus war mit Luftballons und einem handgemalten Willkommens-Transparent verziert. Während die erschöpfte Mutter rasch verschwand, präsentierten sich die Großeltern stolz mit dem Säugling.

Schon am vorigen Montag war die kleine Michala in Neuwied entdeckt worden. Vier mutmaßliche Täter wurden festgenommen. Es dauerte bis zum Wochenende, ehe DNS-Proben den endgültigen Beweis für die Identität des Babys erbrachten und die Behörden beider Länder den Weg für die Rückkehr frei machten.

Über das Motiv der Entführung wird weiterhin gerätselt. Die Ermittlungen seien noch im Gange, begründete die tschechische Polizei auch am Sonntag ihr Schweigen zu den Einzelheiten. Vladimir Danyluk, der Polizeichef in Aussig, zeigte sich jedoch davon überzeugt, dass sich das Szenario nicht so bald wiederholen werde: „Der Fall ist einmalig“, sagte er dem Fernsehsender CT24.