Berlin - Der Aufmarsch hochrangiger Politiker war schon mal größer. Gerade mal zwei Minister aus Angela Merkels Kabinett lassen sich beim 63. Bundespresseball am (heutigen) Freitag in Berlin blicken: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD). Die Kanzlerin selber erscheint ja traditionell nicht.

Auch den Ministerpräsidenten kann man keine Feierwütigkeit unterstellen, von ihnen kommt gerade mal der Hesse Volker Bouffier (CDU). Auch sonst wimmelt es nicht von Prominenten. Die Zeiten, als das Erscheinen von Dieter Bohlen oder Joschka Fischer plus Freundin die Fotografen begeisterte, sind vorbei. Nur der Bundespräsident ist treu dabei wie in jedem Jahr. Joachim Gauck eröffnet den Ball für die 2000 Gäste am Abend mit einem Walzer mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt.

So rückt ein Thema in den Mittelpunkt: der neue Veranstaltungsort für den Ball. Zum ersten Mal feiern Journalisten, Wirtschaftsvertreter und Politiker in der alten Abfertigungshalle des früheren Berliner Flughafens Tempelhof. Die Designer griffen die naheliegende Idee auf und wollen in der Gestaltung zahlreicher Details an die große Zeit des gehobenen Flugverkehrs erinnern.

Der Gang über den roten Teppich führt an einem alten Propellerflugzeug auf dem Rollfeld vorbei. An den ehemaligen Countern der Fluggesellschaften stehen Kellner und auf dem Gepäckausgabeband mitten in der 100 Meter langen und 16 Meter hohen Halle kreisen Austern und Sushi.

Auch sonst spielt sich fast das ganze Ballgeschehen in der Halle ab: Dinner für 400 Gäste an Tischen, Flanierbereich mit Buffets, Tanzfläche und die Bühne für die Big Band und den Mitternachtsauftritt der Band Silly mit der Sängerin Anna Loos. Weitere Musiker sollen auf einer rollenden Plattform herumgefahren werden. Der Sternekoch Kolja Kleeberg musiziert und in der alten Flughafenküche, die mit ihrer weißen Kachelung an eine Schlachterei erinnert, gibt es Kochshows.

Eine Cateringfirma baute seit Anfang der Woche eine Küche auf. 50 000 Geschirr- und Besteckteile werden verteilt, 80 Köche kümmern sich um 300 Kilo Fisch, 500 Kilo Fleisch und eine knappe Tonne Gemüse. Die Größenordnung der Feier sei aber kein Problem, hieß es bei dem Unternehmen. Bei der Fußball-WM im Sommer in Brasilien habe man insgesamt 250 000 VIP-Gäste versorgt.

Einige langjährige Details wie die Tombola und der Beauty-Salon wurden von den Veranstaltern von der Bundespressekonferenz gestrichen. Bei den Planungen dürften auch finanzielle Aspekte eine Rolle gespielt haben. Es gibt nicht mehr so viele Sponsoren wie früher. Der Aufwand für die große Party kostet aber weiterhin etwa eine Million Euro wie in den vergangenen Jahren.

Die auf 490 Euro erhöhten Eintrittspreise für Freunde der Hauptstadtjournalisten bescherten dem Presseball eine Konkurrenzparty am gleichen Abend, den Bundesmedienball. Ohne Austern und Champagner und zwei Nummern kleiner - aber ebenfalls ausverkauft, wie die privaten Organisatoren stolz verkündeten.

Ob auch der 64. Bundespresseball im Flughafen Tempelhof gefeiert werden wird, steht noch nicht fest. „Das beraten wir am Samstag“, lautete die Ansage.