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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Attacke auf Bahn: Keine Terror-Hinweise

16.04.2019

Bad Berleburg /Siegen Ein riesiges Loch klaffte in der Frontscheibe, das Steuerpult war mit Glassplittern übersäht – der Zugführer blieb nur durch seine Geistesgegenwart fast unverletzt: Im Fall der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug der Hessischen Landesbahn in Nordrhein-Westfalen haben die Ermittler nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen Terroranschlag. „Wir ermitteln weiter in alle Richtungen und haben derzeit keinerlei Hinweise, dass es eine politisch motivierte Tat wäre“, sagte Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum am Montag. Die Ermittler suchen Zeugen. „Jeder Hinweis kann uns weiterbringen.“

Unbekannte hatten in der Nacht zum Samstag mehrere Gullydeckel von einer Brücke herab an Seilen über den Schienen aufgehängt, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Mindestens ein Gullydeckel durchschlug die Frontscheibe eines Zuges, der zwischen Bad Berleburg und Erndtebrück in NRW fuhr. Der 49-jährige Lokführer wurde leicht verletzt. Wegen einer geplanten Leerfahrt waren keine Fahrgäste an Bord der Bahn.

„Wenn jemand massive Gullydeckel auf Höhe des Fahrerstandes hängt, dann geht es nicht mehr darum, den Zug am Dach oder an der Seite zu beschädigen. Dann nimmt man den Tod des Fahrers billigend in Kauf“, erläuterte der Staatsanwalt. Deshalb werde wegen versuchten Mordes ermittelt. Der oder die Täter hätten eine aus Ketten und Seilen gebastelte Kon­struktion mit mehreren Gullydeckeln gebaut. Einen der Gullydeckel beschrieb der Staatsanwalt als einen massiven quadratischen Rost, wie man ihn als Abdeckung von Wasserabflüssen am Straßenrand verwendet.

Die Ermittler gehen weiter davon aus, dass die am Tatort gefundenen Gullydeckel in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von der Kreisstraße 31 in Hilchenbach gestohlen worden waren. Laut Polizei sollten am Montag Beamte noch einmal am Tatort nach Spuren suchen.

Die Hessische Landesbahn (HLB) zeigte sich geschockt. „Das war ein ungeheuerlicher Anschlag, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen wurde. Es handelt sich um keinen sogenannten Dumme-Jungen-Streich. Das ist jemand geplant und mit krimineller Energie vorgegangen. Wir sind sehr betroffen und erschrocken“, sagte HLB-Sprecherin Sabrina Walter in Frankfurt. „Wir würden gern wissen, ob es uns zufällig getroffen hat oder die HLB bewusst geschädigt werden sollte.“ Ein Erpresser- oder Bekennerschreiben liege aber nicht vor.

Der Lokführer erlitt laut HLB einen mittelschweren Schock. Er sei krankgeschrieben, psychisch sehr mitgenommen und erhole sich derzeit zu Hause. Er hatte eine Notbremsung vollzogen und sich nach hinten weggeduckt.

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