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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Urteil: Nachbarn stinkt’s: Streit um Käseladen

18.12.2019

Bad Heilbrunn Für die einen Wohlgenuss, für die anderen eine Belästigung: Im Streit um angeblich unangenehme Gerüche aus einem Käseladen in Oberbayern hat ein Gericht in München ein Urteil gefällt. Das Landgericht München II gab am Dienstag teils dem Inhaber des Tölzer Kasladens in Bad Heilbrunn recht und teils der Nachbarin. In dem Verfahren ging es darum, ob Hausbewohner öffentlich davon sprechen dürfen, dass es stinkt und ihrem Ärger auch mit Aufklebern an dem Käseladen Luft machen dürfen.

Die Nachbarin hatte Aufkleber angebracht, die eine geruchsbelästigte Nase zeigten. Das Gericht entschied nun, dass die Nachbarin die Aufkleber nicht mehr anbringen darf. Die Nachbarin dürfe aber weiter sagen, „dass es eine Geruchsbelästigung gibt und dass sie es als stinkend empfindet“, erklärte eine Gerichtssprecherin. „Das ist eine Meinungsäußerung.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es sind Rechtsmittel möglich. Die sogenannte „Käsefehde“ zieht sich seit Jahren hin und beschäftigte auch schon andere Gerichte.

Immer wieder habe er die Aufkleber von den Scheiben gekratzt – und schließlich auf Unterlassung geklagt, sagt Inhaber Wolfgang Hofmann. „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“, sagt der 58-jährige. Schon bald nach dem Einzug des Kasladens in einen früheren Supermarkt 2016 klagten Hausbewohner vor dem Amtsgericht Wolfratshausen. Denn neben dem Verkauf im Laden lagern und reifen in den hinteren Räumen in Regalen feinsäuberlich gestapelt zwei bis drei Tonnen Käse. Rund 200 Sorten werden hier verpackt und verschickt. Der Käsehandel samt Reifung sei kein Supermarkt und die Nutzung somit nicht erlaubt, argumentierten die Nachbarn.

„Wir haben erst versucht, eine gütliche Einigung zu erreichen. Aber Herr Hofmann hat das Problem des Gestanks von Anfang an negiert“, sagte Hausbewohnerin und Prozessgegnerin Manuela Kragler. Der Käsegeruch ziehe durch geöffnete Fenster der Käseräume nach oben, komme aber auch durch Steigleitungen, den Sicherungskasten und sogar aus den Steckdosen. „Man hätte diskutieren können, ob Lüftungsanlagen eingebaut werden.“ Doch stattdessen eskalierte der Streit immer mehr. „Ich bin dazu übergegangen, auf nonverbale Art zu kommunizieren, dass es uns Hausbewohnern stinkt“, sagt die Goldschmiedin, die eigentlich gern Käse isst. So sei es zu den Nasen-Zetteln gekommen.

2017 wurden Landratsamt und Gemeinde auf den Streit aufmerksam. Hofmann musste eine Nutzungsänderung beantragen. Der Bauausschuss der Gemeinde kam zur Ortsbegehung samt Schnüffelprobe. „Es war ein deutlicher säuerlicher Geruch zu erkennen“, sagt Andreas Mascher, Geschäftsleiter der Gemeinde Bad Heilbrunn. Die Anwohner hätten glaubhaft versichert, dass das vorher nicht der Fall gewesen sei.

„Aber Käse riecht nicht säuerlich“, wehrt sich Hofmann. „Das ist Silage. Es gibt hier drei landwirtschaftliche Betriebe, die mit Silage füttern.“ Die Nachbarn, glaubte der gelernte Koch, hätten den Geruch manipuliert – indem sie hinter einem Sicherungskasten alten Käse versteckten. Dass es im Käseladen selbst nach Käse rieche, sei logisch. „Wenn Sie in einen Parfümladen gehen, riecht es nach Parfüm, und wenn Sie in einen Blumenladen gehen, riecht es nach Blumen.“

Käsegeruch liegt in der Herstellung begründet. Damit Käsesorten reifen und ihren typischen Geschmack entwickeln, wird die Masse mit Bakterien oder Schimmelpilzen versetzt. Je älter ein Käse, desto intensiver riecht er. Liebhaber schätzen gerade diesen, mit dem Geruch einhergehenden, kräftigen Geschmack.

Nicht nur über Geschmack, sondern auch über Geruch lässt sich streiten. Das zeigte sich auch ein paar Kilometer weiter in Rottach-Egern am Tegernsee. Ein Ehepaar zog vor Jahren gegen den Geruch frischer Semmeln aus einer Backstube vor Gericht. Nachbarn schlugen sich auf die Seite der Bäckerei und bedankten sich mit Schildern für den „täglichen Bäckerei-Duft“.

Hofmann betreibt den 1972 gegründeten Tölzer Kasladen mit handwerklich hergestelltem Käse in der zweiten Generation. Er beliefert gehobene Restaurants, Hotels und Sterneköche. Das Geschäft lief gut – so gut, dass der Platz in den früheren Räumen in Tölz nicht reichte und Hofmann nach Bad Heilbrunn umzog.

Dort hatte man sich anfangs gefreut, als der Kasladen in den lange leerstehenden Supermarkt einzog. „Das hat sich keiner vorstellen können, dass sich das so entwickelt. Man war ja froh damals, dass man wieder eine Nutzung gefunden hat“, sagt Mascher. Doch wenig später begann die geruchliche Misere.

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