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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Corona: Almabtrieb wird zur Geheimsache

28.09.2020

Bad Hindelang Wann Bernadette und Max Kotz mit 216 Rindern den Heimweg von ihrer Alpe antreten, war selbst in ihrer Heimat Bad Hindelang im Landkreis Oberallgäu heuer ein wohlgehütetes Geheimnis.

Rund 15 Helfer wussten Bescheid, die Besitzer der Tiere sowieso. Am Samstag war es dann soweit. Pünktlich mit den ersten größeren Schneefällen in den Alpen endete für die Kühe die Sommersaison. Die Viehscheide in diesen Wochen im Allgäu sind kein touristisches Ereignis wie sonst, sondern eher eine Geheimsache.

Eigentlich ein Spektakel

Die Feiern zum Ende des Alpsommers waren zuletzt auch bei internationalen Besuchern immer beliebter geworden. 2019 empfahl der Reiseführer „Lonely Planet“ des Spektakel mit geschmückten Kranzrindern, Bierzelten und Krämermärkten in Orten wie Oberstdorf, Pfronten und Bad Hindelang gar als eines von 1000 „einmaligen Erlebnissen“ in Europa. „Der Viehscheid war für uns schon von großer Bedeutung“, sagt der Tourismusdirektor von Bad Hindelang, Max Hillmeier. „Viele Gäste kommen extra zu diesem Datum zu uns.“

Doch wegen der Corona-Pandemie fallen sämtliche Festlichkeiten aus, Zuschauermassen auf dem Weg ins Tal sollen unbedingt vermieden werden. Die Alphirten entscheiden deshalb selbst, wann sie die ihnen anvertrauten Rinder zurück ins Tal treiben. Wer beim Wandern eine der Herden treffen will, muss auf den Zufall hoffen.

Doch zumindest bei Hotels und Pensionen sei die Enttäuschung über den abgesagten Viehscheid nicht allzu groß, betont Hillmeier. „Dieses Jahr haben wir dadurch keine Einbußen.“ Im Juli und August seien die Übernachtungszahlen besser gewesen als im Vorjahr, für den September zeichne sich ein ähnlicher Trend ab.

„Dass die großen Viehscheide abgesagt worden sind, hat vor allem für die Landwirte Vorteile“, sagt auch der Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu, Michael Honisch. Ohne das Touristenspektakel hätten die Tiere weniger Stress, zudem sei die Abholung der Rinder durch die Bauern im Tal leichter. „Man kann ohne Stau an- und abreisen“, betont Honisch. „Es geht richtig familiär zu.“

Unruhe im Sommer

Was im Allgäuer und in Oberbayern jedoch besonders im Frühsommer Sorgen bereitete, war der Ansturm Erholungssuchender. Menschen seien kreuz und quer über Almwiesen gelaufen oder geradelt – oder hätten Picknickdecken ausgebreitet, sagt Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. „Es war heuer schon sehr viel Unruhe auf den Almen.“

Vor allem zu Beginn der Saison, als es wegen der Corona-Maßnahmen wenig Freizeit-Möglichkeiten gab, seien viele Wanderer unterwegs gewesen, sagt Stöckl. Viele hätten sich unvernünftig benommen. Die Folgen sind teils gravierend: So stürzten im Allgäu Ende Juni mehrere Rinder ab, nachdem sie offenbar von Nachtwanderern aufgeschreckt worden waren.

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