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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Musik: Vom Konditor zum Volksmusiker

13.12.2018

Bad Münstereifel „Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung“, das wusste schon Oscar Wilde. Daran gemessen hat Heino vieles richtig gemacht. Unzählige Male wurde der Schlager- und Volksmusiksänger parodiert, vor allem von Otto Waalkes, der ihn in einem Film von 1985 sogar als Zombie mit „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ aus dem Grab auferstehen ließ.

Bis heute ist Heino Kultfigur, Witzfigur und Reizfigur gleichermaßen. „Das ist alles Teil meines Erfolges“, sagt Heino im Interview. „Ohne Ecken und Kanten wird man nicht alt in diesem Job.“ An diesem Donnerstag feiert der Musiker, der laut Plattenfirma mehr als 50 Millionen Tonträger unter die Leute gebracht hat, seinen 80. Geburtstag.

Anfangs deutete noch wenig darauf hin, dass der in Düsseldorf-Oberbilk geborene Heinz Georg Kramm zu einem der berühmtesten Sänger Deutschlands aufsteigen sollte. Sein Vater, ein Zahnarzt, fällt im Zweiten Weltkrieg, da ist er gerade mal drei Jahre alt. Seine Mutter muss sich und die zwei Kinder allein durchbringen. „Sie arbeitete viel. Ich bin mit meiner Schwester, die fünf Jahre älter ist, bei meiner Oma aufgewachsen“, erinnert sich Heino.

Obwohl seine Mutter es sich nicht leisten kann, schenkt sie ihm im Alter von acht Jahren das gewünschte Akkordeon zu Weihnachten, das sie in Raten abzahlt. Ihr zur Liebe macht er eine Lehre als Bäcker und Konditor, bis er sich voll und ganz seiner eigentlichen Leidenschaft – der Musik – zuwendet.

Nebenher kickt er bei der Düsseldorfer Stadtmannschaft SC Schwarz-Weiß 06. Er bekommt den Spitznamen „Gummi“ verliehen, „weil ich so gelenkig war“, so Heino. Seine erste Ehe schließt er 1959 mit Henriette Heppner, aus der ein Jahr später der Sohn Uwe hervorgeht. In den 60er Jahren tritt er mit einem von ihm gegründeten Musiktrio bei einer Modenschau auf. Dort wird er von Schlagersänger Ralf Bendix entdeckt, der ihn auch als Produzent und Komponist begleiten soll. Heino bringt 1965 seine erste Single „Jenseits des Tales“ auf den Markt. Ein Senkrechtstart: Sie verkauft sich mehr als 100 000 Mal.

Mit dem Album „Kein schöner Land“ gelingt Heino 1967 der endgültige Durchbruch. Es sind überwiegend Volkslieder, mit denen er in den politisierten, von englischen Beatbands dominierten Sechzigern Erfolge feiert. „Für mich war es eine Frustreaktion, deutsch zu singen, weil im Radio überwiegend englische Musik lief.“ Heino eifert damit auch seinem Idol Freddy Quinn nach und singt mit seiner Bariton-Stimme das R so präzise wie kein anderer.

Während er für die einen Identifikationsfigur ist, ist er besonders für politisch Linke mit seiner unkritischen Haltung gegenüber den Liedern, derer sich auch die Nationalsozialisten bedienten, ein Dorn im Auge. „Wer bös’ denkt, ist bös’. Ich habe diese Lieder von Herzen gern gesungen, und ich würde den gleichen Weg noch mal gehen“, sagt Heino rückblickend.

1972 kommt mit „Blau blüht der Enzian“ Heinos größter Hit; das Lied nimmt er später auch in einer Rap-Version auf. Im selben Jahr lernt er seine dritte Frau Hannelore Auer in Kitzbühel kennen. Das Paar heiratet 1979. Mit ihr tritt er auch als in gemeinsamen TV-Shows auf.

Zu Heinos Markenzeichen werden die blonden Haare und die dunkle Sonnenbrille. Letztere setzt er anfangs nur auf, um die durch eine Morbus-Basedow-Erkrankung hervortretenden Augen zu verdecken. Heute kennen Heino laut einer Studie 98 Prozent der Deutschen.

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