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NWZonline.de Nachrichten Panorama

Notfall: Männer aus Falkensteiner Höhle befreit

30.07.2019

Bad Urach Der Eingang zur Höhle wirkt wie ein Schlund in einer Wand aus Stein, im kilometerweiten Innern ist es stockdunkel, verwinkelt und nass, feindlich wirkt es und doch faszinierend. Ihr Faible für diese Welt in der Falkensteiner Höhle auf der Schwäbischen Alb haben zwei Höhlengänger teuer bezahlt.

Überrascht von den starken Regenfällen und Wassermassen mussten die beiden am Montag in einer stundenlangen Rettungsaktion aus der Höhle befreit werden. Unverletzt kletterten sie am Vormittag aus dem weit verzweigten Höhlensystem. „Sie sind wohlauf“, sagte Markus Metzger, der Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband Reutlingen.

Die beiden jungen Männer, einer von ihnen ein Tourführer, waren am Sonntagnachmittag in die Höhle in Baden-Württemberg eingestiegen. Nach dem Notruf, den ein lokaler Tourenanbieter ausgelöst hatte, drangen bereits wenige Stunden später zwei Rettungstaucher zu den eingeschlossenen Männern in die „Reutlinger Halle“ vor und gaben Entwarnung. In dem Hohlraum etwa 650 Meter vom Eingang entfernt hatten die beiden Höhlengänger Schutz gesucht. Wegen der starken Strömung konnte die Rettung erst mit Tagesanbruch beginnen.

Dann die gute Nachricht: In einer mehrstündigen Aktion gelingt es Höhlentauchern, die von den Wassermassen teils versperrten Passagen zu durchtauchen. Vor dem Tauchgang zurück ans Tageslicht weisen sie die festsitzenden Männer in einem Crashkurs ein und bringen beide in Sicherheit.

Nach der erfolgreichen Rettung ist den Einsatzleitern die Anspannung nicht anzumerken. „Es kam zu keinen kritischen Situationen, weil beide Patienten wirklich fit waren auf dem Weg nach draußen“, sagt der Einsatzleiter der Höhlenrettung, Michael Hottinger. Allerdings kein leichter Weg: „Für geübte Taucher ist das jetzt bei der Wasserlage schon ein Problem. Für Ungeübte wird es fast unmöglich“, beschreibt er die Lage im Innern des weitläufigen Felsensystems.

Deshalb schütteln Höhlen-Experten und Retter auch den Kopf über die beiden Eingeschlossenen, noch ehe diese in Sicherheit sind. Leichtsinn sei Grund für die Notlage der beiden Männer gewesen, sagt Hottinger. Bei der Wetterlage und dem starken Regen hätten sie wissen müssen, dass die Senken in der Höhle volllaufen und so den Rückweg versperren könnten.

Für Markus Boldt vom Höhlenverein Blaubeuren ist das kein Einzelfall: Die Risiken eines Höhlengangs auf der Schwäbischen Alb würden immer wieder unterschätzt, kritisiert der Vereinsvorsitzende. Viele gingen ohne ausreichende Ausrüstung in die Höhlen, in dünnen Neoprenanzügen, teils ohne Rettungsdecke, vielleicht auch ohne ausreichende Nahrung.

Unterschätzt werde auch die Geschwindigkeit, mit der sich die Höhlen auf der Alb mit Wasser füllten. „Vor allem die Falkensteiner Höhle kann innerhalb weniger Stunden zu einer randvoll mit Wasser gefüllten Falle werden.“ Man könne zwar kilometerweit in diese Höhle hineingehen bei einem normalen Wasserstand. „Im Gegensatz zu anderen Höhlen kann sie aber bei stärkerem Regen auch innerhalb von zwei bis vier Stunden anfangen zu fluten“, sagt Boldt, dessen Sohn an der Rettungsaktion beteiligt war.

Auch Jens Hornung von der Malteser Höhenrettung fehlt das Verständnis für den verantwortlichen Höhlenführer: „Da kommt man als Profi nicht drauf“, erklärt er. Als „Dummheit“ bezeichnet der Bürgermeister von Grabenstetten, Roland Deh (parteilos), die Aktion. Etwa 15 000 bis 20 000 Euro werde der Einsatz auf der Schwäbischen Alb kosten, schätzt er. Unklar ist noch, ob die Versicherung der Geretteten dafür aufkommt.

Die Falkensteiner Höhle gilt als Magnet für alle, die Nervenkitzel wollen. Dutzende Menschen klettern, schwimmen und tauchen an einem Wochenende durch Teile des Systems. „Diese Höhle ist zu Tode getrampelt“, sagt Hottinger. „Es ist eine Opferhöhle, weil dadurch andere Höhlen geschützt werden können.“

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