Baikonur - Der Weltraum – unendliche Weiten. So beginnen die berühmten Abenteuer des TV-Raumschiffs Enterprise. Wir befinden uns aber nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Jetzt. Und diesen Weltraum und die unendlichen Weiten wird Alexander Gerst bei seiner zweiten Mission erleben. Am diesem Mittwoch fliegt der Deutsche mit der Mission „Horizons“ zur Internationalen Raumstation ISS. Mit einer Sojus-Rakete startete er um 13.12 Uhr planmäßig vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. „Nächster Halt #ISS in zwei Tagen wenn alles glatt geht. Passt auf euch auf meine Freunde!“, twitterte „Astro-Alex“ als letzte Botschaft vor dem Start.

Verfolgen Sie den Start zur ISS im Liveblog:

Dahinbringen wird ihn und die Crew das Raumschiff Sojus MS-09, das mit mehr als 20 Millionen Pferdestärken vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan starten wird. Wie diese aufgebaut ist, zeigt eine interaktive Karte.

Nur vier Jahre nach seinem ersten Aufenthalt auf der Raumstation fliegt Gerst (42) wieder zur ISS. 2014 war er mit der Mission „Blue Dot“ gut ein halbes Jahr im Kosmos. Für seine neue Mission „Horizons“ soll er wieder gut sechs Monate in der Schwerelosigkeit leben und forschen – auf dem Außenposten der Menschheit, der 400 Kilometer über der Erde seine Bahnen zieht. Dabei wurde der Name der Mission, auf deutsch Horizonte, gezielt ausgesucht, erklärt der Geophysiker. Der wahre Kern der Mission sei, dass über den Tellerrand geblickt werden soll, sowohl der des Weltalls als auch in der Forschung.

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Zweieinhalb Jahre haben Gerst und seine Kollegen, der russische Kampfpilot Sergej Prokopjew (43) und die US-Ärztin Serena Auñón-Chancellor (42), für die Reise ins All trainiert. Die letzten Tage vor dem Start sind dabei noch einmal körperlich fordernd. Da wäre der Drehstuhl: Zehn Minuten am Tag wird Gerst auf dem Stuhl im Kreis gedreht, mal aufrecht sitzend, dann wieder leicht nach vorn gebeugt bis kurz vor der Übelkeit. Nachts schläft er mit hochgelegten Füßen, denn sein Bett steht am Fußende auf Holzklötzen. Zudem werden er und seine Kollegen 30 Minuten am Tag auf eine Liege geschnallt, auf der sie im steilen Winkel mit Kopf nach unten ausharren müssen.

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Zu den Vorbereitung von Gerst gehörte aber auch, seine knapp 1,1 Millionen Follower über Twitter über alles zu informieren und sogar mit einzubeziehen. So schrieb er 30 Tage vor dem Start: „Brauche eure Hilfe! Auf der Startplatform, 1 Std vorm Start während der Drucktests, hört die Crew Musik über Funk. Vorschläge?P.S.: nein, “big balls of fire” scheidet aus“. Knapp zwei Wochen und tausend Vorschläge später präsentiert Astro-Alex seiner Community neun Lieder. Diese Playlist wird nun eine Stunde vor seinem Start ins Weltall gespielt.

1. Captain Future Theme (aus der TV-Zeichentrickserie „Captain Future“)

2. Castle in the snow (The Avener)

3. Die Mensch-Maschine (Kraftwerk)

4. When You Go Forward (Triangle Sun)

5. Astronaut (Sido feat. Andreas Bourani)

6. Five Minutes (Her)

7. Heute Hier Morgen Dort (Hannes Wader)

8. Destiny (Zero 7)

9. Sunny Road (Emilíana Torrini)

Inzwischen ist Gerst der elfte deutsche Raumfahrer. Auf der ISS waren zwei Deutsche vor ihm, und auch er selbst war auch schon da. Dennoch wird seine zweite Reise etwas Besonderes, denn Gerst darf als erster Deutscher ab Oktober für etwa drei Monate das Kommando auf der Raumstation übernehmen. Dies ist ein Privileg, das gewöhnlich die USA und Russland als Hauptgeldgeber für das Milliardenprojekt ISS beanspruchen, das im Herbst seinen 20. Geburtstag feiert.

„Das wird sicher was, er ist ja ein guter Mann“, sagt DDR-Kampfpilot Sigmund Jähn über Gersts Mission als Kommandant. Der heute 81-Jährige war der erste Deutsche im All und startete im August 1978 mit einer Sojus, einem Vorvorgänger der aktuellen Version, und verbrachte fast acht Tage auf der sowjetischen Raumstation Saljut-6, einem Vorvorgänger der ISS. Die beiden Deutschen sind befreundet, und Jähn ist eigens für den Start in die knackige Hitze der kasachischen Steppe gereist. Der Raumfahrtveteran ist damals übrigens selbst von der historischen Plattform gestartet, von der 1961 auch Juri Gagarin als erster Mensch in den Kosmos aufgebrochen war.