BERLIN - In einem kleinen Köfferchen brachte der Briefmarken-Kurator von Königin Elizabeth II. persönlich die berühmteste Briefmarke der Welt nach Berlin: die Blaue Mauritius. Nur noch wenige Exemplare des kostbaren Kult-Objektes gibt es weltweit. Erstmals versammelt eine Ausstellung in Berlin den Großteil der heute noch existierenden Marken: Acht Blaue Mauritius und zehn Rote Mauritius sind von diesem Freitag an bis zum 25. September unter dem Titel Das Treffen der Königinnen in Berlin im Museum für Kommunikation zu sehen. Er rechne mit mehreren zehntausend Besuchern, sagte Kurator Andreas Hahn am Donnerstag.
Die Queen besitzt zwei der kleinen Wertpapiere, um die sich Legenden ranken: eine blaue Two-Pence-Marke und eine rote One-Penny-Marke, die beide das Profil der jungen Königin Victoria zeigen. Auch in Deutschland gibt es einige private Sammler, die eine so kostbare Marke ihr eigen nennen. Vier von ihnen haben sich entschlossen, ihre Mauritius in der abgedunkelten Schatzkammer des Museums auszustellen. Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen werden die Kostbarkeiten dort in Panzerglasvitrinen gezeigt.
Die Ausstellung ist mit 50 Millionen Euro versichert, wie Kurator Hahn erzählte. Allein der sogenannte Bordeaux-Brief hat einen Wert von vier Millionen Euro. Er ist mit einer Blauen und einer Roten Mauritius frankiert.
Die berühmteste Briefmarke der Welt wurde 1847 in der britischen Kronkolonie Mauritius in einer Auflage von jeweils 500 Stück herausgegeben. Was die Objekte so interessant mache, sei die Tatsache, dass der Stecher einen Fehler gemacht habe, erklärt Wolfgang Peschel vom Bund deutscher Philatelisten. Eigentlich hätte auf die Marke ,Post Paid graviert werden müssen, der Grafiker hat aber ,Post Office graviert. In der zweiten Auflage wurde dieser Fehler korrigiert, was die ersten Marken ausgesprochen selten macht.
Die vor 160 Jahren noch ohne Zacken entworfene Marke ist aber auch deshalb so wertvoll, weil jedes Stück ein Unikat ist. Jede einzelne Marke wurde von Hand gedruckt, sagt Kurator Hahn. Die Druckplatte ist seit 1935 verschollen. Insgesamt sind heute weltweit noch 27 Mauritius bekannt.
