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Corona-Krise Berliner wehren sich gegen Alkoholverbot

Andreas Rabenstein

Berlin - Bis in die Morgenstunden steht die heiße Sommerluft derzeit in den Straßen der Berliner Innenstadt. Die Bänke vor Kneipen und Bier-Kiosken (in Berlin: „Spätis“) sind in Kreuzberg, Neukölln und Mitte voll junger Menschen. Corona-Abstände, Masken, Kontaktlisten? Selten ist das die Priorität in den Partykiezen im heißen August.

Sind Kneipen nachlässig?

Nach der Debatte um sorglose Partys in Parks bringt die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) nun ein Alkoholverbot für Kneipen und Bars ins Spiel – zumindest wenn die ständigen Verstöße gegen die Corona-Verordnungen nicht enden. Unterstützung bekommt sie vom Neuköllner Bezirksbürgermeister, der sich gut auskennt in seinem Kiez und über manche Entwicklungen „entsetzt“ ist. Aber eine seltene Koalition aus Linken, Grünen, FDP und Wirtschaft reagiert empört.

Die nachlässigen Kneipen würden ihr große Sorgen machen, hatte Kalayci bereits am Montag der „Berliner Morgenpost“ gesagt. Bußgelder müssten „konsequent“ verhängt werden. Konkreter wurde sie dann am Dienstag im RBB-Inforadio. Es gehe nicht um ein allgemeines Alkoholverbot. Problematisch seien aber bestimmte Straßen, wo sich „enge Menschenmassen“ aufhielten und beim Trinken „ein sehr naher Kontakt“ und „Partyatmosphäre“ entstünde.

Andere Bundesländer setzten ähnliche Strategien bereits um. So ist in Hamburg der Verkauf von Alkohol zum Mitnehmen in Szenevierteln am Wochenende seit Juli verboten, um die üblichen Massen-Partys auf der Straße zu verhindern. Im partyverwöhnten Berlin halten viele Einschränkungen beim Alkohol hingegen für undenkbar.

Lieber öffentlich trinken

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sprach von mündigen Bürgern, die selbst entscheiden könnten. Und der Berliner FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja forderte, Alkohol lieber öffentlich zu trinken. Dort hätten Ordnungsamt und Polizei wenigstens etwas Kontrolle über das Geschehen. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) monierte erst, „Prohibitionsdiskussionen“ würden nicht weiterhelfen. Am Dienstag betonte sie, auch die „gebeutelte Gastronomie“ müsse die Regeln einhalten. Durchsetzen müssten sie aber Polizei und Ordnungsämter.

Genau daran hapert es oft in Berlin. Kontrollen fallen in der Hauptstadt ohne Sperrstunde, mit Hunderten Spätis und Bars sowie jungen Touristen, die wegen billiger Kneipen, Clubs und Drogen anreisen, grundsätzlich schwer. Allein in Neukölln entstanden in den vergangenen Monaten in drei Kneipen neue Infektionsherde. In einem Fall suchte das Gesundheitsamt wegen unvollständiger Kontaktlisten mit einem Aufruf nach den Gästen. Mindestens 22 Infektionen wurden so bekannt.

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